Wege aus dem Uni-Chaos
Massenansturm auf einen Mangelbetrieb: Die Unis sind nur mehr Bildungs-Fassade. Auf den neuen Minister wartet ein politischer Kraftakt.

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Womöglich erst im Jänner werden wir erfahren, wen die ÖVP als Nachfolger von Johannes Hahn auf den heißen Stuhl des Wissenschaftsministers setzt. Wer immer es ist, er oder sie wird einen bleischweren Rucksack tragen müssen. Denn die Studentenproteste dieser Tage werfen ein grelles Schlaglicht auf die unhaltbaren Zustände an den Hochschulen.
Im Grunde ist es nur mehr die Schimäre einer höheren Bildung, die in den Hörsälen und Labors mühsam aufrecht erhalten wird. Nach der schlecht vorbereiteten Abschaffung der Studiengebühren herrscht in Massenfächern wie Medizin, Publizistik, Jus oder BWL das blanke Chaos. "Wir müssen mit begrenzten Mitteln ein unbegrenztes Versprechen einlösen", sagt der Vizerektor der Uni Salzburg, Rudolf Mosler.
So gravierend die Missstände sind, so klar zeichnen sich doch einige Konturen ab, die Auswege aus dem Chaos weisen. Diese Pflichtpunkte müssen rasch auf die Agenda der Politik:
1. Wo liegt das Hauptproblem der aktuellen Uni-Krise?
ANTWORT: Es gibt viel zu wenige Professoren und Hörsaalplätze für den Massenansturm an Studenten. Wer in Salzburg Kommunikationswissenschaft studiert, muss gewärtigen, dass auf 180 Hörer nur ein Professor kommt. In der Schweiz wird derzeit das Betreuungsverhältnis für alle Studien auf 1:60 gebracht, mittelfristig auf 1:40. "Die Regulierung der Zahl der Studierenden ist das Um und Auf für Verbesserungen", sagt der Studiendirektor für Jus an der Wirtschaftsuniversität Wien, Christoph Grabenwarter.
2. Soll man den Zugang zu einzelnen Studien begrenzen?
ANTWORT: Vor allem für Massen-Studien ist das ein kaum vermeidbarer Weg. An Medizin-Universitäten führt die Eingangsprüfung als Zugangsschranke inzwischen zu dramatisch verbesserten Ergebnissen: Die Rate der Studienabbrecher ging von 40 auf unter zehn Prozent zurück. Den ersten Abschnitt schaffen nun 85 Prozent der Hörer in der Regelstudienzeit - früher schaffte das nur jeder Fünfte. "Unter dem Strich produzieren wir trotz Zugangsbeschränkung heute mehr Absolventen als früher", resümiert der Rektor der Grazer Medizin-Universität, Josef Smolle.
3. Können Studiengebühren die finanziellen Engpässe der Universitäten beseitigen?
ANTWORT: Nein. Ein Studienplatz kostet schon unter den heutigen Mangel-Bedingungen 5.000 bis 7.000 Euro jährlich. Wirklich kostendeckende Gebühren hätten extrem abschreckenden Ef
fekt, was angesichts der niedrigen Akademikerquote fatal wäre.
Allerdings bringen Studiengebühren einen Lenkungseffekt: Man inskribiert nicht "aus Verlegenheit", sondern legt sich bewusst und ernsthaft auf ein bestimmtes Studienfach fest. Die bis zum Vorjahr geltende Gebühr von 360 Euro pro Jahr war im internationalen Vergleich sehr niedrig. Das Thema ist aber ideologisch festgefahren.
4. Welchen Effekt darf man sich von einem Ausbau des Stipendiensystems erwarten?
ANTWORT: Diese Forderung ist im Zusammenhang mit Uni-Gebühren zu bewerten. Eine Abfederung von Gebühren durch Stipendien ist jedenfalls notwendig. Es gibt aber Ängste der Studierenden, dass dadurch die Freiräume im Studium schwinden, weil der Bezug von Stipendien an einen raschen Studienfortschritt geknüpft ist. Ein möglicher Ausweg: ein Freisemester für alle als Gegenpol zu den Zwängen der "ökonomisierten" und verschulten Universität.
5. Hat der Staat ein Konzept, wie viele Akademiker er in welchen Fächern an welchen Orten ausbilden will?
ANTWORT: Nein, und das gilt als ein zentraler Mangel im System. Gäbe es ein solches Konzept, könnte man in weiterer Folge viel Geld sparen, wenn nicht mehr alles überall parallel angeboten wird. Fächer wie Geologie oder Alte Geschichte müssten nicht mehr an bis zu sieben verschiedenen Unis angeboten werden.
6. Brauchen die Unis insgesamt mehr Geld?
ANTWORT: Ja, daran führt kein Weg vorbei. Hier dürfte ein Grund liegen, weshalb die Politik das heiße Eisen der Unis nicht angreift. Ein Fachhochschul-Studienplatz kostet um 40 Prozent mehr als ein Uni-Platz, die Qualität wird für Studierende direkt spürbar.
7. Sind Privat-Universitäten ein Ausweg?
ANTWORT: Sie sind eher ein Verzweiflungsschrei, falls sich an den staatlichen Unis nichts ändert. Das wäre aber der Weg in eine Zwei-Klassen-Bildung, die soziale Unterschiede verfestigt.










