Tirol-Wahl: Van Staa bleibt und hält sich alle Optionen offen
Tiroler ÖVP demonstriert Geschlossenheit. Landeshauptmann Herwig van Staa will Orientierungsgespräche mit allen Landtagsparteien führen.

Foto © APALandeshauptmann Herwig van Staa
Tirols Landeshauptmann Herwig van Staa bleibt
trotz der schweren Verluste der ÖVP bei der sonntägigen Landtagswahl
im Amt und wird gemeinsam mit Innenminister Günther Platter (V)
Sondierungsgespräche für Koalitionsverhandlungen zur Bildung einer
neuen Landesregierung mit den vier anderen im Landtag
vertretenen Parteien führen. Dies hat der Landesparteivorstand am
Montagabend in Innsbruck beschlossen. Zuvor hatten die
Teilorganisationen das Abschneiden bei der Landtagswahl und den
Verlust von 9,5 Prozentpunkten auf 40,4 Prozent beraten. Nach einem
Vertrauensvotum des Wirtschaftsbundes für Van Staa hatte der AAB auf
eine Abstimmung über den Landesparteiobmann verzichtet.
Nicht einer Meinung. Van Staa sprach in einer Pressekonferenz nach der nur
zweistündigen Vorstandssitzung von "unterschiedlichen Meinungen in
der Partei", Platter von "keiner einfachen Situation für die VP".
2013 wolle man wieder die absolute Mehrheit erreichen. Die vom
Landesparteivorstand demonstrierte Geschlossenheit sei Voraussetzung
dafür.
Gespräche "mit allen". Es werde Gespräche "mit allen" geben, betonte der Landeshauptmann.
Er sei Verhandlungsführer. Es solle nun um Inhalte und nicht um
Personen gehen. Er gehe aber davon aus, dass er vom
Landesparteivorstand wieder für das Amt des Landeshauptmannes
vorgeschlagen werde. Platter betonte, er führe die Gespräche in
seiner Funktion als erster Parteiobmannstellvertreter. Es sei "nichts
Besonderes", dass es ein Zweierteam gebe.
Nicht ungewöhnlich. Dass LHStv. Elisabeth Zanon den Führungsanspruch gestellt habe sei
nicht ungewöhnlich. Den nächsten Landesparteitag werde es
voraussichtlich im Herbst 2009 geben. Dort könne sich jeder der
Obmannwahl stellen, das sei ein demokratisches Recht für jeden. Wer
dort zum Landesparteiobmann gewählt werde, habe Anspruch auf den
Landeshauptmannsessel. Ob er bei dem Parteitag neuerlich antreten
wolle, ließ Van Staa offen.
Kalte Schulter. Bei den Grünen hatte man Van Staa zuvor die kalte Schulter
gezeigt. Landesparteichef, LAbg. Georg Willi schloss auch nach einer
vierstündigen Sitzung des Landesparteivorstands aus, Van Staa zum
Landeshauptmann zu wählen. Auch ein Verbleib von Agrar-LR Anton
Steixner komme für ihn nicht in Frage: "Wir werden mit keiner VP
unter Van Staa oder Steixner in eine Koalition gehen", bekräftigte
Willi. An einen Rückzug denkt Willi trotz des Wahldesasters vom
Sonntag nicht. Er sei guter Dinge, wenn er am Freitag vor dem Grünen
Landesausschuss die Vertrauensfrage stellen werde.
"Kabinett der besten Köpfe". Ein weiterer potenzieller Koalitionspartner der ÖVP, die Liste
Fritz Dinkhauser, wollte am Montag ebenfalls noch nichts von einer
Zusammenarbeit mit Van Staa wissen. Angestrebt wird hier ein
"Kabinett der besten Köpfe" - möglichst unter einem Landeshauptmann
Dinkhauser.
Vertrauensfrage bei der SPÖ. Ob sich die SPÖ erneut als Regierungspartner für die Volkspartei
mit Van Staa anbietet, war bis zum späteren Abend unklar. Eine
Sitzung des Landesparteivorstandes war auch nach mehreren Stunden
noch im Gange. Landesparteichef LH-Stv. Hannes Gschwentner hatte
davor angekündigt, die Vertrauensfrage stellen zu wollen.
Features
Kampfeslustig
Van Staa selbst hatte sich am Wahlabend noch entschlossen gezeigt, die Regierungsverhandlungen zu führen und seinen Posten zu behalten, habe er doch das Wahlziel erreicht, eine Regierung ohne ÖVP quasi unmöglich zu machen.





