Salzburgs Politiker vom Tiroler Wahlergebnis überrascht
Das schlechte Abschneiden der Großparteien und der Triumph Dinkhausers lösen Debatten aus - auch in anderen Bundesländern.

Foto © ReutersGabi Burgstaller
Das Ausmaß des Sieges von ÖVP-Rebell Fritz
Dinkhauser hat alle Salzburger Landeschefs überrascht. Es sei ein
Protestsignal an die beiden Großparteien und zeige, dass der Wähler
mit den beiden Großparteien nicht zufrieden wäre. Das ist unisono die
Reaktion von LH Gabi Burgstaller (S), LHStv. Wilfried Hauslauer (VP),
FP-Landesparteiobmann Karl Schnell und Cyriak Schwaighofer von den
Grünen am Sonntag.
Politisches Erdbeben. Angesichts der historischen Veränderungen in der politischen
Landschaft Tirols sei es durchaus berechtigt, von einem politischen
Erdbeben zu sprechen, sagte die Landeshauptfrau. "Der
Landtagswahlkampf war eine Abstimmung über die Zukunft der Tiroler
Volkspartei. Der frühere AK-Präsident Fritz Dinkhauser wird mit einem
überraschend deutlichen Wahlerfolg diese Zukunft wesentlich
mitbestimmen", sagte Burgstaller. Dinkhauser habe mit seinem Antreten
die politische Landschaft Tirols wesentlich verändert, so
Burgstaller.
"Schmerzliches Ergebnis". Für die Tiroler SP bedeute der Verlust von Platz 2 ein
"schmerzliches Ergebnis, da gibt es nichts zu deuten. Die
Ausgangslage für die Tiroler SPÖ war nicht leicht: Auf der einen
Seite eine ums politische Überleben kämpfende Volkspartei, auf der
anderen Seite mit Fritz Dinkhauser ein Kandidat, der für viele
Tirolerinnen und Tiroler offenbar eine glaubwürdige Alternative nach
60 Jahren ÖVP-Dominanz darstellt", sagte die Salzburger SP-Chefin. Zu
seiner Glaubwürdigkeit dürfte nicht zuletzt seine Herkunft aus der
Arbeiterkammer beigetragen haben. Auch die kontrovers diskutierten
Reformvorhaben auf Bundesebene dürften keine echte Unterstützung für
die Sozialdemokraten in Tirol gewesen sein.
Protest gegen Parteien. Das überraschend hohe Ausmaß des Sieges sei ein Protestsignal an
die Parteien. "Die Menschen verleihen ihre Unmut Ausdruck, indem sie
den Politikern bei den Wahlen die 'gelbe Karte' zeigen", meinte
Haslauer. Der Erfolg von Dinkhauser habe bewiesen, dass die Wähler
den etablierten Großparteien mitgeteilt hätten: "Wir zeigen es Euch".
Das Wahlergebnis in Tirol sei auch die Antwort darauf, "wenn eine
Partei nicht geschlossen ist". Die SPÖ habe in Tirol "sicher keinen
Rückenwind von der Bundes-SPÖ aus bekommen", ist der Salzburger
VP-Landesparteiobmann überzeugt. Die ÖVP sei nach wie vor die
stärkste Partei und sollte auch den Landeshauptmann stellen,
unterstrich Haslauer.
FPÖ erfreut. Der "schöne Erfolg in Tirol zeigt, dass die FPÖ wieder stärker
nach oben steigt". Dinkhauser und die FPÖ würden ansprechen, "was die
Leute bedrückt und was sie wollen", so Schnell. Das Wahlergebnis
spiegle auch die Unzufriedenheit mit den beiden Großparteien wider
und dass die Grünen ihren Zenit erreicht hätten, so der Salzburger
FP-Landesparteiobmann. Die Bundesregierung würde mit
"Null-Hausverstand auf die Probleme der Menschen eingehen und darauf
reagieren". Das wäre schon früher so gewesen, wenn die Freiheitlichen
stark zugelegt hätten.
"Leute laufen davon". "Es ist sensationell, dass jemand aus dem Stand 19 Prozent
erzielt", stellte Schwaighofer fest. Von der Parteipolitik werde
immer weniger geboten, deshalb "laufen die Leute davon. Das
Wahlergebnis ist ein Zeichen der Politikverdrossenheit". Die Grünen
seien in Tirol Opfer eines Zweikampfes, "da sind immer die kleineren
die Leidtragenden, denn in Tirol haben die Grünen gut gearbeitet".
Den radikalen Absturz der SPÖ begründet Schwaighofer damit, dass die
Sozialdemokraten in Tirol zu wenig Profil gezeigt hätten "und die
Bundespolitik durchgeschlagen hat".





