Ein Star-Schiri auf der ÖVP-Liste
Ein Unparteiischer wird parteiisch: Star-Schiedsrichter Konrad Plautz tritt für die ÖVP bei den Landtagswahlen in Tirol am 8. Juni an.

Foto © APA/Tiroler VolksparteiFußballschiedsrichter Konrad Plautz und der amtierende Landeshauptmann Herwig van Staa
Sechs Wochen vor den Landtagswahlen in Tirol hat ÖVP-Spitzenkandidat Herwig Van Staa einen Coup gelandet: Österreichs Star-Schiedsrichter Konrad Plautz tritt am 8. Juni für die Volkspartei am zweiten Listenplatz an. Van Staa stahl damit seinem Rivalen Fritz Dinkhauser die Show, der gestern die seit Tagen bekannte Kandidatur des Tiroler Transit-Rebellen Fritz Gurgsier verkündet hat.
Namen gemacht.
Plautz, der aus einem Seitental des Tiroler Wipptals stammt, hat sich in der internationalen Sportwelt als Unparteiischer einen Namen gemacht. Erst kürzlich pfiff er den Champions-League-Schlager Liverpool gegen Chelsea. Plautz ist einer der zwölf Schiedsrichter bei der Euro 2008, mit etwas Glück könnte er beim EM-Finale Ende Juni als Referee ins Wiener Ernst-Happel-Stadion einziehen.
"Kein Sprücheklopfer".
Der 43-jährige leitet in seiner Heimatgemeinde Navis die Schauspielbühne und trainiert die dortige Jugendmannschaft. Zur Landtagswahl selbst weilt Plautz nicht in Tirol sein. Er ist wegen der EM in der Schweiz. unabkömmlich. Seine Stimme will er per Briefwahl abgeben.
"Ich bin kein Sprücheklopfer", meint der Quereinsteiger bei der Präsentation. Er wolle die beste Lösung für die Tirol. Vielleicht liege die ÖVP derzeit mit 0:1 im Rückstand. Am 8. Juni werde es ein 4:1 sein, zeigte er sich überzeugt.
Wähler mobilisieren.
Plautz spielt damit auf die schlechten Umfragewerte für Landeshauptmann Van Staa an, der vor allem durch die Liste von ÖVP-Rebell Fritz Dinkhauser in Bedrängnis geraten ist. Noch dazu hat Dinkhauser gestern den langjährigen Wortführer der Anti-Transitbewegung Fritz Gurgiser auf seine Liste gesetzt.
Plautz mag in Österreich ungleich bekannter sein als Gurgiser. Politologe Fritz Plasser geht im Gespräch mit der Kleinen Zeitung davon aus, dass Gurgiser als Anti-Transit-Bannerträger ungleich mehr Wähler in Tirol mobilisieren dürfte. Gurgsier setzt insbesondere den Grünen zu.
Als Landeschef "utopisch".
Als "utopisch" bezeichnet Plasser das Szenario, Dinkhauser könnte mit Hilfe von SPÖ und Grünen Landeshauptmann werden. "Das ist nicht mehrheitsfähig." Wahrscheinlicher sei, dass Dinkhauser am Ende des Tages die ÖVP unterstützt, allerdings zu einem sehr hohen Preis. Sollte Van Staa unter 40 Prozent absacken, dürfte Dinkhauser als Gegenleistung für ein Ja zu einem ÖVP-Landeshauptmann den Kopf von Van Staa fordern.
Zur Person
Geboren am 16. Oktober 1964 in Matrei.
Beruf: Lehre als Maschinenschlosser. Bis 2004 im "Gerätewerk Matrei" beschäftigt.
Schiri-Karriere: Bundesliga (seit 1989), FIFA-Schiedsrichter (seit 1996). Einer von 12 Schiedsrichtern bei der Euro 2008.





