Sessel des Klubchefs wackelt am stärksten
Neuer SPÖ-Chef Peter Kaiser trifft Personalentscheidungen nach Ostern. Weil Klubchef Herwig Seiser eine andere Richtung einschlagen wollte, gilt er als Ablösekandidat.

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Die "Richtungsentscheidung" rief SPÖ-Klubchef Herwig Seiser beim Parteitag am Samstag selbst aus. Er sprach sich als Kandidat für den Parteichef für "eine klare Opposition" aus und ging unter. Landesrat Peter Kaiser, der nichts von einer Fundamentalopposition hält, sondern einen differenzierten Kurs einschlagen will, wurde mit fast 80 Prozent zum neuen SPÖ-Chef gewählt. Dass er jetzt von sich aus seinen Rücktritt anbieten könnte, das hat sich Seiser, wie er gestern der Kleinen Zeitung sagte, "nicht überlegt". Für ihn sei aber klar, dass er "nur unter gewissen Bedingungen" weitermacht: "Nur, wenn ich die kantige Linie weiterfahren kann, sonst bin ich nicht dabei".
Ob Seiser in der Position ist, Bedingungen zu stellen, ist eine andere Frage. Sein Klubchef-Sessel wackelt am stärksten. Ein Indiz dafür ist auch die Kritik, die der abgelöste SPÖ-Chef Reinhart Rohr am Parteitag übte. "Ich wünsche mir im Landtagsklub ein Klima des Miteinander. Zuletzt hat bei manchen die Orientierung gefehlt", formulierte Rohr pauschal, meinte aber unmissverständlich den Klubchef.
Frau in die Regierung
Seiser hat mehrfach Zorn auf sich gezogen - weil er als Mann des Villacher Bürgermeisters Helmut Manzenreiter gilt, den von Rohr mit ausverhandelten Pyramidenkogel-Turm bekämpft und weil er als Erster die Rücknahme der Erhöhung der Parteienförderung gefordert hat. Spekuliert wird jetzt, dass Seiser von Rohr als Klubchef abgelöst wird. Denn Rudolf Schober, der in den ursprünglichen Planungen für Rohr den Sessel des Zweiten Landtagspräsidenten räumen sollte, hat sich als Kaiser-Befürworter der ersten Stunde einen längeren Verbleib im Landtag gesichert.
Kaiser lässt sich noch nicht in die Personal-Karten schauen. Er sei ein Mannschaftsspieler und werde die Personalentscheidungen mit den Parteigremien am Dienstag nach Ostern diskutieren, kündigte er nach seiner Wahl an. Es geht um die Besetzung des zweiten Regierungssitzes, des Klubchefs und des Landesgeschäftsführers. Für die Rohr-Nachfolge in der Regierung wird mit einer Frau aus dem Arbeitnehmer- und Gewerkschaftskreis gerechnet. Mit der Abwicklung des Parteitages seine Funktion gefestigt, hat nach Ansicht vieler Funktionäre Landesgeschäftsführer Hans-Peter Schlagholz.
Regie und Schmäh
Die Verschwörungstheoretiker in der SPÖ sehen in der Statutenänderung, mit der die Kandidatur des Spittaler Bürgermeisters Gerhard Köfer in einer geheimen Abstimmung verhindert wurde, ein Werk der "Parteitagsregie" von Rohr, Kaiser und Schlagholz. Köfer selbst gibt Manzenreiter die Schuld. Bei der Wahl in den Landesparteivorstand wurden mit einer Streichorgie alle beide, Manzenreiter (121 Streichungen) und Köfer (73), abgestraft. Nicht auf dem Prüfstand der Delegierten standen Gerhard Mock und der gar nicht anwesende Gerhard Seifried; sie gehören dem kleiner gewordenen Vorstand nicht an.
Mock hielt übrigens die Journalisten am Schmäh. Sollte Köfers Kandidatur nicht zugelassen werden, verlasse er aus Protest den Parteitag, kündigt er an. Er wäre auch so vorzeitig gegangen, war er doch in St. Veit Gastgeber für Karl Schwarzenberg.
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Bild vergrößernKaisers Vorgänger: Reinhart Rohr, Gaby Schaunig und Peter AmbrozyFoto © KLZ/Koscher













