Kärntner SPÖ: Der Nächste, bitte!
Mit der Wahl des siebenten Parteichefs in 21 Jahren, unternehmen die Kärntner Roten einen neuen Versuch, den Abwärtstrend zu stoppen.

Foto © kkSever, Seiser, Kaiser und Köfer rittern um den Parteivorsitz
Rund 700 Stimmen fehlten den Sozialdemokraten im südlichsten Bundesland 1989 auf die absolute Mehrheit. Von da an ging's bergab. Als Peter Ambrozy 2004 in direkter Konfrontation mit Jörg Haider rund 38 Prozent heimbrachte, wurde er von einem ewigen angeblichen Hoffnungsträger verhöhnt. "Ein solches Ergebnis hätte der Karawankenbär auch erzielt", ätzte der wegen seiner ORF-Karriere über die Grenzen Kärntens hinaus bekannte Wolfsberger Bürgermeister Gerhard Seifried. Im Vorjahr hätte sich die SPÖ über ein Karawankenbär-Ergebnis gefreut. Ambrozy war Parteigeschichte. Haiders Partei bekam ohne ihn und mit Gerhard Dörfler 45 Prozent Zustimmung. Die SPÖ stürzte mit dem anständigen, aber zu umständlichen Reinhart Rohr auf den historischen Tiefstand von 28 Prozent ab.
Seit der Landtagswahl taumelt die Koalition von FPK (vormals BZÖ) und ÖVP dahin, das Land ist pleite, die Bürger sind empört über die Politik wie nie zuvor. Weil Rohr daraus kein Kapital schlagen konnte, löste der ewige Königsmacher, der Villacher Bürgermeister Helmut Manzenreiter, zu Jahresbeginn eine Revolte aus. Im Talon hatte er den Plan, Hoffnungsträger Seifried an die Parteispitze zu holen. Doch dieser gab ihm einen Korb. So sollte Manzenreiter selbst bei dem auf sein Drängen vorverlegten Parteitag antreten. Nach einem Skiunfall mit einer schweren, langwierigen Schulterverletzung gab er auf. Jetzt hat die Partei plötzlich vier Kandidaten für die Rohr-Nachfolge, aber keinen Favoriten. So haben am Samstag 552 Delegierte die Qual der Wahl.
Ideologen kontra Populisten
Die Richtungsentscheidung scheint gefallen. Sowohl Landesrat Peter Kaiser, Klubobmann Herwig Seiser als auch der Spittaler Bürgermeister Gerhard Köfer stehen für ein ausgeprägtes sozialdemokratisches Profil und klare Abgrenzung zur Koalition, vor allem zur FPK. Der Ton macht den Unterschied: Seiser und Kaiser gelten als introvertierte Ideologen, Köfer als Populist. Seine Kandidatur muss der Parteitag mit einer Zweidrittel-Mehrheit erst zulassen, weil er sie erst jetzt angemeldet hat. Der vierte im Bunde, Leopold Sever, gilt als chancenlos. Er hatte sich berufen gefühlt, weil er bei der Wirtschaftskammerwahl die rote Position halten konnte.
Lehren aus dem zu ziehen, was den Abwärtstrend in den letzten 21 Jahren mitbewirkt hat, sieht Rohr als Voraussetzung, damit es mit der Kärntner SPÖ wieder einmal aufwärts geht: "Der Parteichef muss härter auf den Tisch klopfen" - nach innen und außen.













