Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
19. Juni 2013 04:28 Uhr | Als Startseite
Neu registrieren
Zuletzt aktualisiert: 19.10.2009 um 21:11 UhrKommentare

Der Streit um Straf-Unterricht

Lehrer fordern härtere Strafen für Schüler. Eltern kontern und fordern Sanktionen für Lehrer. Sollen Strafen wirklich wieder Schule machen?

Foto © APA

Nachsitzen, Ausschluss vom Klassenausflug, Verhaltensnoten oder Sozialdienst für Schüler - mit diesem Vorstoß zu strengeren Strafen entzündete der oberösterreichische Lehrerpersonalvertreter für Pflichtschulen, Werner Wernhart, eine Welle an Reaktionen. "Als Lehrer erlebt man immer öfter verbale Attacken bis hin zur Verweigerung von Leistungen", sagt er. Aggressionen der Schüler fallen heute härter aus als früher, die Hemmschwelle zu Gewalt sei gesunken, sowohl gegen Lehrer als auch gegen Mitschüler. "Wenn man als Lehrer beschimpft wird, hat man derzeit überhaupt keine Rechte. Man darf höchstens fragen: ,Möchtest du darüber reden?'"

Noch ein Beispiel: Cybermobbing. Diffamierende Videos, die trotz Handy-Verbot gemacht werden und später auf Portalen wie Youtube wieder auftauchen. So sehen Schülerstreiche im Jahr 2009 immer öfter aus. Wernhart: "Auch hier sind die Mittel eingeschränkt."

Ein altbekanntes Problem nennt Fritz Malli, Direktor des Borg Deutschlandsberg: Schwänzen. "Es ist sehr mühsam mit gehäuften Fehlstunden umzugehen." Vielen Schülern fehle die Einsicht, dass Schulerfolg mit Anwesenheit zusammenhänge. "Bei Fernbleiben verständigen wir die Eltern." Ändere sich wenig, bleibe noch die Jugendwohlfahrt. "Ein Schritt, der nicht oft gemacht wird", diagnostiziert Wernhart. Die Obfrau des Lehrerbundes Kärnten, Claudia Schöffmann, kritisiert, dass "viele Kinder in der Schule gar nicht mehr aufnahmefähig seien." Sie führt das auf PC-Spiele und Co. zurück.

Kritik an Staberl-Politik

Respekt durch Autorität. Was Christgewerkschafter als Ausweg sehen, wirkt für ältere Semester wohl wie ein Schritt zurück in die Vergangenheit, in jene Zeit, als Rohrstaberl, Scheitelknien und Winkerlstehen einen Fixplatz im Unterricht hatten.

Kritik zum neuen Straf-Unterricht kam von Elmar Mayer, Bildungssprecher der SPÖ: "Statt rückwärtsgewandter Bestrafungsfantasien brauchen wir moderne pädagogische Konzepte." Auch Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) hält nichts von einer Verschärfung der Strafen. Die Sanktionsmöglichkeiten seien ausreichend, lässt ihr Sprecher, Nikolaus Pelinka, ausrichten.

Strafen für Lehrer

Proteste hagelt es von Seiten der Eltern. Sie fordern im Gegenzug Strafen für Lehrer. Wenn es der Lehrervertretung "nicht nur um ihre Klientel vor den Personalvertretungswahlen geht, müsste auch dort ein Szenario angedacht werden, das ein abgestuftes Reagieren auf Fehlverhalten von Lehrern ermöglicht", so Ilse Schmid, Präsidentin des steirischen Landesverbandes. Beispiele: Pünktlichkeit oder Unterrichtsvermittlung. "Ein kleiner Gerichtshof bringt niemandem etwas."

Was sagen Schülervertreter dazu? Strafen bringen nichts. "Der Lehrerberuf soll sich an der Privatwirtschaft orientieren. Es kann nicht sein, dass bei nicht erbrachten Leistungen keine Kündigungen folgen", wettert Oliver Möllner, Schülerunion-Bundesobmann.

Ministerin Schmied ortet hier Aufholbedarf. Der Direktor solle mehr "Personalverantwortung" bekommen, also Lehrer bei Fehlverhalten entlassen können. Übrigens: Seit ihrem Antritt als Ministerin im Jänner 2007 wurde kein einziger Lehrer der Schule verwiesen.

WOLFGANG RÖSSLER, JULIA SCHAFFERHOFER

Welche Rechte Lehrer in Österreich haben

Zu welchen Strafen Lehrer in Österreich greifen dürfen und welche Pflichten sie haben, ist im Schulorganisationsgesetz (SchUG) von 1986 geregelt.

Verboten sind demnach körperliche Züchtigung, beleidigende Äußerungen und Kollektivstrafen - laut Paragraph 47, Absatz 3.

Strafen. Der Lehrer "hat in seiner Unterrichts- und Erziehungsarbeit die der Erziehungssituation angemessenen persönlichkeits- und gemeinschaftsbildenden Erziehungsmittel anzuwenden", heißt es im Paragraph 47, Absatz Die da wären: Anerkennung, Aufforderung oder Zurechtweisung.

Ausschluss. Wenn es aus "erzieherischen Gründen oder zur Aufrechterhaltung der Ordnung" notwendig erscheint, kann der Schulleiter einen Schüler in eine Parallelklasse versetzen (Paragraph 47, Absatz 2). Gründe sind: Verletzung der autonomen Hausordnung in "schwer wiegender Weise" oder "wenn das Verhalten eines Schülers eine dauernde Gefährdung von Mitschülern (unter anderen) darstellt."

Vandalismus. Beschädigt ein Schüler Objekte im Schulgebäude vorsätzlich, ist er verpflichtet, den Schaden zu beseitigen. Laut Paragraph 43, Absatz 2, kann der Auftrag dazu etwa von Schulleitern, Abteilungs- oder Fachvorständen sowie von Lehrern erfolgen.

KLEINE.tv

Voves und das Sulmkraftwerk

In einer dringlichen Anfrage haben die steirischen Grünen kritische Frag...Bewertet mit 1 Stern

 

Politik im Bild

Fischer empfing Alaba in der Hofburg 

Fischer empfing Alaba in der Hofburg

 

Kroatien tritt EU bei

AP

Am 1. Juli 2013 tritt Kroatien als insgesamt 28. Land der Europäischen Union teil. Hintergründe und Informationen zur EU-Mitgliedschaft der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik.



Griechenland in der Krise

Politiker und Promis im Visier der Justiz

Foto: APA/AP/Reuters
 

Steirische Strukturreform

APA

Die Landesspitze baut die Gemeindestruktur massiv um. Im Jahr 2015 soll es von den derzeit 539 nur mehr 285 Gemeinden geben.



Seitenübersicht

Zum Seitenanfang