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Zuletzt aktualisiert: 13.10.2009 um 17:05 UhrKommentare

Abschied von der "Zwangstagsschule"

Nach der Kehrtwende der ÖVP sollen mehr Ganztagsschulen angeboten werden. Landesschulratspräsident Erlitz: "Die Lehrer müssen die Kinder dann auch nachmittags betreuen."

Die Nachmittagsbetreuung soll bis 2013 auf 120.000 Plätze ausgebaut werden

Foto © APA/SujetDie Nachmittagsbetreuung soll bis 2013 auf 120.000 Plätze ausgebaut werden

Das Ziel ist klar, die Finanzierung noch unklar. Für Landesschulratspräsident Wolfgang Erlitz ist aber zumindest das Bekenntnis der ÖVP zum Ausbau der Ganztagsschulen bereits ein wesentlicher Schritt: "Bislang hat die ÖVP ja nur von der Zwangstagsschule gesprochen. Jetzt scheint aber zumindest der gemeinsame Wille vorhanden zu sein, Ganztagsschulen umzusetzen."

Die Zielvorgabe von Unterrichtsministerin Claudia Schmied, dass die Nachmittagsbetreuung bis 2013 auf 120.000 Plätze ausgebaut wird, setzt allerdings enorme Investitionen voraus. "Wenn wir von Ganztagsschule sprechen, heißt das ja nicht Beaufsichtigung am Nachmittag, sondern da geht es um eine neue Rhythmisierung des Unterrichts, wo der Nachmittag Teil des Unterrichts wird", verweist Erlitz auf die Notwendigkeit entsprechender Rahmenbedingungen wie Speisesäle, Aufenthaltsräume, Küchen zum Aufwärmen des Essens. "Wenn man Ja zur Ganztagsschule sagt, muss man auch viel Geld in die Hand nehmen. Die Qualität der Betreuung hängt davon ab, dass der Lehrer vom Vormittag auch die Betreuung am Nachmittag übernimmt. Zusätzlich brauch wir das nötige räumliche Angebot." Grundvoraussetzung für Erlitz für eine qualitätsvolle Ganztagsschule: "Die Betreuung am Nachmittag kann nicht an eine Horterzieherin ausgelagert werden. Die wirklichen Defzite werden dann nicht behoben."

Vorzeigeschule

Bereits umgesetzt wird das Modell einer solchen Ganztagsschule an der "Modellschule" in Graz. Die Schule dauert bis 16.45 Uhr, nachmittags helfen die Lehrer den Kindern bei der Hausübung. Mittwochnachmittag haben die Kinder frei. "Der Mathematiklehrer übt nachmittags mit den Kindern, was er am Vormittag durchgenommen hat. Es werden aber auch Ausflüge, Sport, Musik gemacht. Die Schüler kommen ohne Hausübung nach Hause und unsere Eltern sind sehr froh darüber, weil sie sich darum nicht mehr kümmern müssen", zieht Direktorin Brigitte Presker eine positive Bilanz ihres Schulversuches, den sie 1983 begonnen hat. "Es fallen damit auch die ganzen Nachhilfestunden weg, die doch beschämend sind", sagt Presker, die nach wie vor jedes Jahr um die Verlängerung des "Schulversuches" ansuchen muss.

Für eine wesentliche Voraussetzung bei Ganztagsschulen hält auch Presker die Schaffung der nötigen Räumlichkeiten: "Man kann Kinder nicht den ganzen Tag in einer Klasse einsperren. Da ist es dann besser, wenn sie nach Hause gehen. Kinder müssen sich bewegen können."

Von den 6800 Volks- und Hauptschülern und den 2400 AHS-Schülern, die derzeit in der Steiermark nachmittags betreut werden, haben allerdings nur wenige das Glück, nachmittags beim Lernen von ihren Lehrern betreut zu werden. In manchen Horten wird nicht einmal eine Lernbetreuung der Volksschulkinder durch eine konstante Erzieherin für nötig erachtet.

Schulen wie das Bischöfliche Gymnasium in Graz, wo ebenfalls neben Sport- und anderen Freizeitmöglichkeiten nachmittags eine Betreuung durch Lehrer angeboten wird, kämpfen mit den Kosten. Im Gegensatz zur Modellschule bekommen sie vom Ministerium die Lehrerstunden nur zum Teil bezahlt. "Wir leiden unter der Nichtfinanzierung des Ministeriums, das maximal drei bis vier Tutorenstunden zahlt", ärgert sich Direktor Justinus Greifeneder. Wesentlich für ihn ist die Freiwilligkeit der Nachmittagsbetreuung: "Es ist eine Utopie, dass alle Schüler gerne bis 17 Uhr in der Schule sind."

CARINA KERSCHBAUMER

Wer soll zahlen?

Kosten. Unklar ist derzeit, ob Eltern auch für eine Ganztagsschule, in der der Unterricht über den ganzen Tag verteilt wird, einen Beitrag für ihre Kinder zahlen müssen. Die ÖVP denkt an einen Beitrag des Bundes, der Länder, Gemeinden wie auch der Eltern. Landesschulratspräsident Wolfgang Erlitz (SP) kann sich bei einer neuen Ganztagsschule allerdings nur einen Essensbeitrag der Eltern vorstellen.

Kein Elternbeitrag. Wie Erlitz lehnt auch die SPÖ einen Elternbeitrag ab. Es würden vor allem den Eltern jener Kinder, die eine ordentliche Nachmittagsbetreuung brauchen, oft die finanziellen Mittel dafür fehlen, begründet SP-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas die Ablehnung.

Nachmittagsbetreuung

In der Steiermark werden derzeit von den insgesamt 44.154 Volksschülern 5215 auch am Nachmittag betreut. Die Kosten der Betreuung sind unterschiedlich. In Graz wurde mit Herbst der monatliche Hortbeitrag von 180 auf 220 Euro erhöht.

Am geringsten ist der Anteil der Nachmittagsbetreuung bei den Hauptschülern. Nur 4,5 Prozent der 33.797 steirischen Hauptschüler werden ganztags betreut.

In den AHS beträgt der Anteil derzeit 16,5 Prozent. Von den 14.565 AHS-Schülern besuchen 2403 am Nachmittag einen Hort oder ihre Schule. Die Kosten sind unterschiedlich. Am Bischöflichen Gymnasium kostet das Mittagessen 90 Euro, die Betreuung 50 Euro im Monat.

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