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    Lehrer: Ungeprüft, unbedankt und unterqualifiziert Schulautonome Tage sollen für Kinder schulfrei bleiben Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Schule Nächster Artikel Lehrer: Ungeprüft, unbedankt und unterqualifiziert Schulautonome Tage sollen für Kinder schulfrei bleiben
    Zuletzt aktualisiert: 11.03.2009 um 18:33 UhrKommentare

    Thema Schule: 16 Fragen an Claudia Schmied

    Die Kleine Zeitung hat 16 Fragen ihrer Leser ausgewählt, Bildungsministerin Claudia Schmied hat sie beantwortet.

    Bildungsministerin Claudia Schmied

    Foto © APABildungsministerin Claudia Schmied

    Warum werden die Reformen durch Mehrarbeit der Lehrer finanziert anstatt sie zu verschieben, wenn kein Geld da ist?

    CLAUDIA SCHMIED: Wir dürfen bei der Bildung unserer Kinder nicht sparen. Die begonnenen Verbesserungen wie kleinere Klassen, mehr Sprachförderung oder mehr Kleingruppenunterricht müssen konsequent weitergeführt werden. Jedes verlorene Schuljahr würde uns im internationalen Wettbewerb zurückwerfen. Ohne die Strukturreform müssten die schon begonnenen Bildungsprojekte sogar zurückgefahren werden.

    Engagierte Lehrer müssen noch mehr arbeiten, "faule" Lehrer schwindeln sich durch zwei weitere Stunden durch. Ist das gerecht?

    SCHMIED: In jeder Berufsgruppe gibt es engagierte und weniger engagierte Mitglieder. Das gilt auch bei Lehrern. Diese Tatsache ist allerdings unabhängig von der jeweiligen Unterrichtszeit der Lehrer. Ob ein Lehrer 20 oder 22 Stunden in einer Klasse verbringt sagt nichts über seinen Fleiß aus. In einem neuen Dienst- und Besoldungsrecht werden Leistungsanreize für engagierte Lehrer allerdings sicher ein Thema sein.

    Der Arbeitsmediziner Wolf Müller-Limmroth hat festgestellt, dass Lehrer in der Klasse unter demselben Stress wie Fluglotsen stehen, Krankenstände und Burnout sind die Folgen. Mehr als 18 Unterrichtsstunden seien nicht verkraftbar, bei uns sind es 20 bis 22. Sind zwei Stunden mehr jedem körperlich zumutbar?

    SCHMIED: Die Unterrichtsverpflichtung ist in Österreich im internationalen Vergleich unter dem OECD-Schnitt. Vor allem ist aber ein Burnout nicht Folge von 20 oder 22 Unterrichtsstunden. Burnout entsteht durch Karriere- und Perspektivenlosigkeit. Daher müssen wir für unsere Lehrer die berufliche Mobilität steigern, Karrieremöglichkeiten eröffnen und - im Fall von Lehrern die gar nicht mehr wollen - Ausstiegsszenarien schaffen. Damit werden wir die Burnout-Fälle massiv reduzieren.

    Warum werden Lehrern mit Schularbeitenfächern, Klassenvorstandsverpflichtungen, Projektbelastungen diese Stunden nicht erlassen?

    SCHMIED: Die Schularbeitsfächer werden bei Bundeslehrern in der Unterrichtsverpflichtung berücksichtigt. Damit kommt ein Lehrer in diesen Gegenständen derzeit auf eine volle Lehrverpflichtung mit 17,14 Stunden. Bei den Landeslehrern kann dies auch in der Bandbreite der Unterrichtsstunden berücksichtigt werden. Für Klassenvorstände gibt es Zulagen zum Gehalt.

    Wo können/sollen die Lehrer die Zeit am ehesten einsparen? Bei den Vorbereitungen, der Nachbereitungsarbeit, den Korrekturarbeiten, der verpflichtenden Fortbildung, bei der unvorhergesehenen Vertretung, bei den Klassenvorstandstätigkeiten, bei der Elternarbeit, bei den Konferenzen oder bei den Teambesprechungen oder bei den Verwaltungstätigkeiten für die Behörde?

    SCHMIED: In den vergangenen Jahren wurden viele Maßnahmen gesetzt, die unsere Lehrer in der Nicht-Unterrichtszeit stark entlasten. So ist es ein Unterschied, ob ein Lehrer in einer kleinen Klasse nur 25 oder in einer großen Klasse 35 Hausaufgabenhefte korrigieren muss. In den kommenden zwei Jahren setzen wir noch viele weitere Maßnahmen für bessere Arbeitsbedingungen der Lehrer. Durch diese Entlastung in der unterrichtsfreien Zeit, sind diese zwei Stunden zusätzlich bei den Kinder zumutbar.

    Wäre es nicht sinnvoll, die zusätzliche Zeit für soziales Lernen, offenes Lernen, Team-teaching an den Schulen und bei den freiwerdenden Lehrern zu belassen, sodass davon auch alle "Nicht-Neue-Mittelschulen" profitieren?

    SCHMIED: Das ist richtig, durch die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung werden auch Ressourcen dafür frei werden.

    Zwei Stunden pro Woche mehr heißt für den Lehrer in der Regel: Eine Klasse mehr. Heißt also: Mehr Schüler, die der Lehrer zu betreuen hat anstatt mehr Zeit für den einzelnen Schüler. Wo liegt da der pädagogische Fortschritt?

    SCHMIED: Diese Maßnahme bedeutet nicht unbedingt eine Klasse mehr. Der Lehrer kann die zwei Stunden auch mit Tagesbetreuung, Fördergruppen oder anderen Zusatzmaßnahmen verbringen. Das wichtige ist, dass keine Ressource das System verlässt, sondern der Kindern zu gute kommt.

    Neue Mittelschule, Individualisierung und Differenzierung bedeuten mehr Belastungen durch Koordinationsaufwand und Planungsarbeit, vieles davon unbezahlt. Müssen sich nicht gerade die engagierten Lehrer jetzt demotiviert fühlen, weil sie noch mehr arbeiten sollen?

    SCHMIED: Ich denke nicht, dass für engagierte Lehrer diese Maßnahme ein großes Problem ist. Ich bekomme täglich Mails von engagierten Pädagogen, die mich in meinem Vorgehen unterstützen. Für die Neue Mittelschule werden übrigens zur Etablierung von Individualisierung, Differenzierung und modernen pädagogischen Konzepten sechs zusätzliche Wochenstunden zur Verfügung gestellt.


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