Ein Stachel im Fleisch der SPÖ
Kurt Flecker, linkes steirisches-Urgestein, lässt sich nicht zähmen.

Foto © Erwin ScheriauKurt Flecker
Dreinreden hat er sich noch nie was lassen - weder von seiner Frau, noch von seinen Freunden, noch von der Partei. Und zurückgenommen hat er auch noch nie etwas. Kurt Flecker, seit wenigen Tagen Landtagspräsident in der Steiermark, ist ein Mann, der auch am nächsten Tag noch weiß, was er gesagt hat, ohne Rücksicht auf persönliche Verluste: Im Jahr 1991 kostete ihn dies das Amt des Parteisekretärs, nachdem er die SPÖ als "Langeweilerpartei" apostrophiert und ihrem Vorsitzenden Franz Vranitzky mangelnde Entscheidungskraft vorgeworfen hatte.
Es sollte sein Schaden nicht sein: Sein damaliger Parteichef in der Steiermark, Peter Schachner-Blazizek, hielt ihn im Landtag. Fünf Jahre später erfuhr er durch die Wahl zum Klubobmann seine Rehabilitation. Im Jahr 2000 rückte er in die Regierung auf.
Flecker ist Säule und Urgestein der steirischen SPÖ, Ikone des linken Flügels der Partei. Des Widerspenstigen Zähmung gelang noch keinem. Auch nicht seinem heutigen Parteichef Franz Voves, der zu Jahresbeginn 2004 in einem Interview angekündigt hatte, die Regierung umbilden und Fleckers Posten als Soziallandesrat mit einer Frau besetzen zu wollen. Flecker antwortete kühl, der Posten sei schon besetzt, und zwar mit ihm.
Es wurde eine Zweckgemeinschaft: Voves ist spätestens seit seinem Wahlsieg 2005 unangefochtener Führer der Partei, der alte Polit-Fuchs Flecker war seine wichtigste Stütze in der Regierung. Eine Liebe wurde daraus nie, und die jetzige Entscheidung, Flecker aus der Regierung abzuziehen und in das Amt des Landtagspräsidenten hinauf zu loben, quittierte Flecker mit der Warnung, er werde dieses Amt politischer ausüben als es je war.
Nun trifft es als Erstes die eigene Partei - für manche keine Überraschung: War es doch Flecker, der Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer am längsten die Treue gehalten hatte und der als Erster ausrückte, Werner Faymann für die Anbiederung an die Kronen Zeitung in Sachen EU-Politik zu kritisieren.
Beruflich war Flecker als Beamter - zuletzt Hofrat - immer gut abgesichert, das erlaubte es dem wortgewaltigen Intellektuellen, politisch maximale Freiheit zu leben.
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Zur Person
Kurt Flecker , geboren am 21. Dezember 1947 in Graz.
Werdegang: Jus-Studium, Landesbeamter, 1990 bis 1991 SPÖ-Geschäftsführer, seit 1991 Landtagsabgeordneter, 1996 bis 2000 Landtagsklubobmann, 2000 bis 2009 Landesrat, seit 22.9. 2009 Landtagspräsident












