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Zuletzt aktualisiert: 01.10.2009 um 20:34 UhrKommentare

"Dazu liebe ich die Partei zu sehr"

Der steirische Landtagspräsident Kurt Flecker steht zu seiner Kritik.

Der steirische Landtagspräsident Kurt Flecker steht zu seiner Kritik

Foto © Erwin ScheriauDer steirische Landtagspräsident Kurt Flecker steht zu seiner Kritik

Landesparteiobmann Franz Voves hat Ihnen parteischädigendes Verhalten vorgeworfen. Zu Recht?
KURT FLECKER: Ich habe eine für mich interessante und angenehme Diskussion in Ö 1 geführt. Die, die das gehört haben, werden das auch so empfunden haben. Ich habe in Anwesenheit von Sozialminister Rudolf Hundstorfer und Hannes Androsch meine persönliche, freie Meinung geäußert. Das lasse ich mir nicht nehmen.

Sie stehen dazu, dass der Parteivorsitzende darüber nachdenken sollte, den Hut zu nehmen?
FLECKER: Es macht keinen Sinn, dass du dich unter Deck begibst, wenn du siehst, dass du auf einen Eisberg zufährst, und so tust als wäre er nicht da. Wenn du den Eisberg nicht siehst, dann wirst du das Steuer nicht herumreißen können und solltest daher nicht Steuermann sein. Die Personaldiskussion wird relevant, wenn die Notwendigkeit des neuen Kurses nicht erkannt wird.

Und die wird nicht erkannt?
FLECKER: Ich glaube, dass das ein Prozess ist, wo die Leute nach dem Schock draufkommen, dass es so nicht weitergeht. Es braucht die Schärfung des sozialen Profils, weil die SPÖ sonst zu einer Mittelpartei verkommt. Dazu liebe ich diese Partei zu sehr. Und auch viele andere lieben sie zu sehr, um das so hinzunehmen.

Viel Rückendeckung haben Sie bisher nicht bekommen.
FLECKER: Ich verfüge über etliche Reaktionen, und ich glaube, dass jeder in dieser Partei sich seine Meinung bilden wird. Wir brauchen keine Anweisungen, wie wir zu denken haben. Ich glaube, dass viele mit Voves und mir von der Notwendigkeit der Kurskorrektur überzeugt sind. In Anbetracht der öffentlichen Niederlagen können öffentliche eigene Meinungen dazu beitragen, eine Entwicklung zu starten oder zu beschleunigen.

Sozialminister Hundstorfer ist laut Faymann das soziale Gesicht der SPÖ. Ihre Forderungen nach Erhöhung des Arbeitslosengeldes und Einführung der Mindestsicherung hat er prompt als nicht finanzierbar zurückgewiesen. Zwingt man ihn in eine Rolle, in der er scheitern muss?
FLECKER: Hundstorfer wäre gut beraten, solche Forderungen glaubwürdiger als eigene Forderungen zu übernehmen und entsprechend zu vertreten.

Sie sind seit wenigen Tagen Landtagspräsident, nominiert von der SPÖ. Was veranlasst Sie, unmittelbar nach der Wahl die Hand zu beißen, die Sie füttert?
FLECKER: Ich brauche keinen, der mich füttert, ich bin unabhängig. Aber ich bin ein politischer Mensch, und das ist meine Partei, genauso wie die des Faymann oder anderer Mitglieder. Wenn ich mir öffentlich Sorgen,um meine Familie mache, dann beiße ich sie nicht, sondern dann ist das ein Zeichen dafür, dass ich sie liebe.

INTERVIEW: CLAUDIA GIGLER

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