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Zuletzt aktualisiert: 27.02.2009 um 21:06 Uhr

Pröll: "Nicht mit der Brechstange"

Angesichts der Krise müssen auch die Lehrer zu Reformen bereit sein, macht ÖVP-Chef Josef Pröll deutlich. Allerdings müsse auch die Unterrichtsministerin Abstriche von ihrer Position vornehmen.

Vizekanzler Josef Pröll

Foto © ReutersVizekanzler Josef Pröll

Ist es für Lehrer zumutbar, dass sie zwei Stunden länger unterrichten als bisher?
JOSEF PRÖLL: Ich habe mit der Unterrichtsministerin ein Globalbudget verhandelt. Sie entscheidet, welche Maßnahmen zu ergreifen sind. Klar ist, zur Bewältigung dieser Krise hat jeder einen Beitrag zu leisten. Das wird an den Lehrern nicht spurlos vorübergehen. Ob der Vorschlag der Ministerin der Weisheit letzter Schluss ist, kann ich jetzt noch nicht beurteilen.
Alle müssen den Gürtel enger schnallen, auch die Lehrer?
PRÖLL: Jeder Österreicher wird einen Beitrag zu leisten haben.

Und dass Lehrer zwei Stunden länger unterrichten?
PRÖLL: Dass der Vorschlag überfallsartig präsentiert wurde, war kontraproduktiv. Ohne die Einbindung der Betroffenen werden wir keine Strukturen ändern. Mit der Brechstange kommt man zu keinem Erfolg. Wir brauchen einen Mix von Maßnahmen, eine Paketlösung. Schmied sollte nicht auf Einzelmaßnahmen setzen.

Die Verlängerung der Unterrichtszeit ist kein Tabu?
PRÖLL: Alles liegt auf dem Tisch, es müssen aber auch die Betroffenen gehört, und es muss mit ihnen verhandelt werden.

Die Ministerin muss sich bewegen, aber auch die Lehrerschaft.
PRÖLL: Ja, das liegt in der Natur von Verhandlungen. Am Ende gibt es einen Kompromiss.

Eine Lösung wäre, dieses Konzept nur für Junglehrer - in Kombination mit dem neuen Gehaltsschema - einzuführen.
PRÖLL: Ich gebe keine Tipps ab. Allerdings steuern wir auf große Umwälzungen zu. Bis 2015 gehen 20 Prozent der Lehrer, bis 2019 38 Prozent, bis 2025 62 Prozent der Lehrer in Pension. Wir brauchen da ein Gesamtkonzept. Wer glaubt, dass alles so weitergehen kann wie bisher, irrt. Das ist eine Botschaft an den Bildungssektor, auch an die Lehrer.

Haben die Lehrer den Ernst der Lage erkannt?
PRÖLL: Ich gehe davon aus, dass gerade die Lehrer die Situation, auf die wir zusteuern, früher als andere erkennen - und deshalb durchaus bereit sind, über Strukturmaßnahmen zu reden.

Seit wann wissen Sie von dem Vorschlag?
PRÖLL: Die Ministerin hat mehrmals den Vorschlag als eine von mehreren Möglichkeiten angesprochen. Ich habe immer gesagt: Wir können über alles diskutieren.

Aber Sie haben dem Vorschlag zugestimmt?
PRÖLL: Das stimmt nicht. Wir haben darüber diskutiert, die Verantwortung liegt bei der Ministerin. Plus zwei Stunden wurde nicht vereinbart.

Muss Schmied jetzt allein mit der Lehrergewerkschaft verhandeln?
PRÖLL: Mich hat auch niemand von der Aufgabe entbunden, als Finanzminister mit jedem einzelnen Fachminister tage- und nächtelang zu verhandeln.

Sie schauen sich erste Reihe fussfrei an, wie sich Schmied und die Gewerkschaft die Köpfe einschlagen?
PRÖLL: Das muss nicht sein. Wenn man die besseren Argumente hat, kann man auch den Partner überzeugen.
Hätte Schmied vorher mit den Gewerkschaften geredet, wäre die Ablehnung auch nicht anders ausgefallen.
PRÖLL: Ich habe einen anderen Stil. Ich hätte den Fachkollegen auch Budgets vorschreiben können, mit dem Argument: die Krise ist groß. Hab ich aber nicht gemacht. Ich habe mit jedem einzelnen geredet.

Die Regierung zieht an einem Strang?
PRÖLL: Klar. Wir müssen die Krise gemeinsam bewältigen. Jeder muss einen Teil der Last tragen. Das darf nicht nur auf dem Rücken der Lehrer ausgetragen werden.

Haben Sie nicht die Wahl zwischen Pest und Cholera: Entweder Sie liegen mit der SPÖ oder mit dem ÖAAB im Clinch.
PRÖLL: Ich fürchte mich vor keiner Auseinandersetzung.


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