Koalition: Jugendgericht und Korruptionsstaatsanwalt wackeln
Die Neuerrichtung des Jugendgerichtshofes wackelt. Obwohl der Architektenwettbewerb bereits seit April abgeschlossen ist, wurde das Projekt von der neuen Regierung unter "Budgetvorbehalt" gestellt.

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Will heißen: Zusätzliches Geld vom
Finanzministerium wird es für das neue Gericht nicht geben. Die neue
Justizministerin Claudia Bandion-Ortner (V) müsste damit die Mieten
für das 77 Mio. Euro-Projekt aus ihrem eigenen Budget locker machen,
wenn sie es umsetzen möchte. Dasselbe gilt auch für die
Antikorruptions-Staatsanwaltschaft.
2002 aufgelöst.
Der Wiener Jugendgerichtshof wurde von der schwarz-blauen
Regierung 2002 aufgelöst - unter Protest der SPÖ, deren
Justizministerin Maria Berger sich nach Antritt der Großen Koalition
an seine Wiedererrichtung machte. Um 77 Mio. Euro sollte im dritten
Wiener Gemeindebezirk ein Jugendgericht samt angeschlossener
Haftanstalt entstehen, auch um das Straflandesgericht im achten
Bezirk zu entlasten. Ein Architektenwettbewerb wurde im April 2008
abgeschlossen, doch eine Finanzierungszusage von Finanzminister
Wilhelm Molterer (V) gab es nicht.
Budgetvorbehalt.
Im neuen Regierungsprogramm steht Bergers Vorhaben nun weiter auf
wackeligen Beinen: Das neue Gericht kommt im Kapitel Justiz nur als
"Außenstelle des Landesgerichtes für Strafsachen" vor, das "unter
anderem für Zwecke der Jugendgerichtsbarkeit und des
Jugendstrafvollzugs" genutzt werden soll. Außerdem steht das Projekt
unter Budgetvorbehalt. Es kann also "nur im Rahmen des dem jeweiligen
Ressort zur Verfügung gestellten Budgets - z.B. durch Umschichtungen
- durchgeführt werden". Zusätzliche Mittel vom Finanzministerium gibt
es nicht.
Keine Antikorruptionsermittler?
Doch das Jugendgericht ist nicht das einzige Prestigeprojekt der
scheidenden Justizministerin, das nun wackelt. Auch die
Antikorruptions-Staatsanwaltschaft wurde unter "Budgetvorbehalt"
gesetzt. Dabei wurde ihre Errichtung bereits im Dezember 2007
beschlossen. Anfang 2009 sollte sich die Spezialbehörde mit etwa 20
Ermittlern um die Aufklärung von Korruptionsfällen in ganz Österreich
kümmern.
Auch im Innenministerium wird gespart.
Ebenfalls nur nach Verfügbarkeit der Mittel kommt übrigens das im
Innenministerium angesiedelte "Bundesamt für Korruptionsbekämpfung
und Korruptionsprävention". Es soll das Büro für Interne
Angelegenheiten ablösen und das Gegenstück zur
Korruptionsstaatsanwaltschaft bei der Polizei bilden. Auch der volle
Kostenersatz für in Gerichtsverfahren Freigesprochene und der
staatliche Schadenersatzvorschuss für Opfer von Verbrechen kommt nur
nach Maßgabe der Budgetmittel.












