Die Knackpunkte bei Koalitionsgesprächen zwischen SPÖ und ÖVP
EU, Steuerreform, Gesundheit, Pensionen, Studiengebühren.

Foto © APAEs gibt viel zu tun
SPÖ und ÖVP werden bei ihren Koalitionsverhandlungen
zahlreiche Hürden zu überwinden haben. Mit der Designierung von Josef
Pröll zum ÖVP-Obmann und der Wahl von Werner Faymann zum
SPÖ-Vorsitzenden wurden zwar die beiden Koordinatoren der alten
Regierung an die Spitze ihrer Parteien gestellt, die schon bewiesen
haben, dass sie miteinander können. Auch wenn damit zumindest an den
Parteispitzen die gröbsten persönlichen Animositäten zwischen den
beiden alten und potenziellen neuen Partnern beseitigt sein sollten,
auf inhaltlicher Ebene warten noch genügend Stolpersteine. Diese
reichen von den Themen EU und Steuerreform über die Gesundheit bis zu
den Pensionen und den Studiengebühren.
EU-Frage.
Die Differenzen in der EU-Frage waren schon der Auslöser für das
Scheitern der alten Koalition, und sie werden wohl auch ein zentraler
Punkt in den kommenden Verhandlungen sein. Der in dem berühmt
gewordenen Leserbrief an die "Kronen Zeitung" von der SPÖ verkündete
Schwenk, wonach über wesentliche Änderungen des EU-Vertrages eine
Volksabstimmung abzuhalten sei, hatte bei der ÖVP das Fass zum
Überlaufen gebracht. Die Volkspartei will nun in einem neuen
Koalitionsvertrag ihre schon seit Jahren vertretene EU-Linie
verankert wissen. Faymann hatte zuletzt als Kompromiss angedeutet,
dass man dieses Thema ausklammern könnte, das kommt aber für die ÖVP
nicht in Frage.
Inflation.
Auch die Entlastung der Bürger angesichts der rasant gestiegenen
Inflation hat schon die vor dem Sommer geplatzte Regierung entzweit.
Zuletzt haben aber Faymann und Pröll einen Schritt aufeinander
zugemacht und vereinbart, ein gemeinsames Konjunkturpaket
auszuarbeiten. Dieses soll bereits in der konstituierenden Sitzung
des Nationalrates am 28. Oktober beschlossen werden. Ob dabei auch
das von der SPÖ gewünschte Vorziehen von Teilen der geplanten
Steuerreform enthalten sein wird, ist noch offen. Die ÖVP hatte ein
solches Vorziehen die längste Zeit ausgeschlossen,
Wirtschaftsminister Martin Bartenstein hatte zuletzt aber angedeutet,
dass er sich das nun unter Umständen doch vorstellen könnte.
Gesundheitsreform.
Einig sind sich SPÖ und ÖVP auch, angesichts der finanziellen
Probleme der Krankenkassen rasch die im Frühjahr gescheiterte
Gesundheitsreform neuerlich in Angriff zu nehmen. Ob man inhaltlich
auch so schnell zusammen finden kann, wird sich aber erst zeigen. Die
SPÖ ist dafür, den Kassen eine Überbrückungshilfe zu gewähren und
dann ein umfassendes Paket zu schnüren. In der ÖVP hat es immer
geheißen, zusätzliches Geld könne es nur zusammen mit einer
Strukturreform geben.
Studiengebühren.
Harte Diskussionen sind beim Thema Studiengebühren zu erwarten.
Die ÖVP würde die wenige Tage vor der Wahl gegen ihre Stimmen
abgeschafften Gebühren am liebsten wieder einführen. Dem wird die SPÖ
wohl kaum zustimmen können.
Pensionen.
Die Pensionen werden wie bei praktisch allen
Koalitionsverhandlungen zwischen SPÖ und ÖVP wohl auch dieses Mal
wieder eine zentrale Rolle spielen. Die ÖVP hat bereits im Frühjahr
eine Automatik gefordert, wonach Maßnahmen zur Sicherstellung der
Finanzierung - wie eine Anhebung des Pensionsalters - im Falle eines
Ansteigens der Lebenserwartung automatisch greifen sollten. Eine
entsprechende Vereinbarung mit Sozialminister Erwin Buchinger (S)
hatte die SPÖ jedoch gekippt, und die SPÖ ist auch nach wie vor gegen
eine derartige Automatik.












