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Zuletzt aktualisiert: 28.09.2008 um 23:19 UhrKommentare

Nichtwähler: Stille Stimme der Mehrheit

271.000 Steirer gingen nicht zur Wahl. Auffallend: SPÖ und ÖVP verloren exakt so viel, wie FPÖ und BZÖ gewannen.

271.000 Steirer sind der Nationalratswahl fern geblieben.

Foto © APA271.000 Steirer sind der Nationalratswahl fern geblieben.

Nach den vorläufigen Zahlen sank die Wahlbeteiligung in der Steiermark von knapp 75 auf nur noch 72 Prozent. Viel beeindruckender als der Prozentsatz ist aber der absolute Wert. 271.000 Steirer sind der Nationalratswahl fern geblieben. Sie waren damit endgültig die "stärkste Partei" vor der SPÖ, für die annähernd 203.000 Steirer gestimmt hatten, und der ÖVP (fast 178.000 Wählerstimmen). Die 271.000 Nichtwähler sind außerdem etwas mehr als alle Stimmen, die auf FPÖ, BZÖ und Grüne zusammen entfallen waren.

Kein Trost. Es ist für die steirischen Parteien kein rechter Trost, dass die Wahlbeteiligung hierzulande weniger stark gesunken ist als im österreichischen Durchschnitt. Nach vorläufigen Zahlen ist die Wahlbeteiligung bundesweit stark - und zwar von 78,5 auf 71,5 - zurückgegangen. Das heißt, dass in ganz Österreich am Sonntag 1,8 Millionen Wähler nicht die Wahllokale aufgesucht haben. 2006 waren es noch 1,3 Millionen gewesen.

Lippenbekenntnisse. Die Zahl der Nichtwähler ist ernüchternd, weil die Stimmberechtigten diesmal so viel Auswahl wie noch nie hatten. Zehn Parteien traten bekanntlich zur Nationalratswahl an. Besonders bedenklich ist, dass die Wahlbeteiligung bei der Nationalratswahl 2002 noch bei fast 84 Prozent gelegen war.

Keinen Einfluss. Die Nichtwähler haben trotz ihrer enormen Zahl keinen Einfluss auf das Wahlergebnis. Politiker aller Parteien beteuern jedoch, dass der stetige Anstieg der offenbar Uninteressierten ein Alarmzeichen für unsere Demokratie und für die Legitimation der Politik sei.

Auffälligkeiten. Ein Blick auf das steirische Wahlergebnis zeigt rein zahlenmäßig eine Auffälligkeit, die von den Experten noch untersucht werden dürfte. SPÖ und ÖVP verloren am Sonntag gegenüber der Nationalratswahl 2006 zusammen rund 138.000 Stimmen. FPÖ, BZÖ, Liberale und die Liste Fritz wiederum gewannen zusammen ebenfalls 138.000 Wähler dazu. Es ist klar, dass nicht jeder dieser Wahlberechtigten einer der größeren Parteien den Rücken gekehrt hat und geradewegs zu einer der Rechtsparteien oder der attraktiven neuen Listen gewechselt ist. Dennoch ist die zahlenmäßige Übereinstimmung bemerkenswert. Sie wird aller Voraussicht nach noch Gegenstand der so genannten Wählerstrom-Analysen sein, mit denen die Meinungsforscher die Veränderung im Wahlverhalten zu erklären versuchen.

JOHANNES KÜBECK

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