Nachwehen bei Fünfer-Runde der Spitzenkandidaten
Eher Nachwehen des Nationalratswahlkampfs als konkrete Zukunftsaussichten für allfällige Koalitionen gab es am Wahlsonntag Abend bei einer Diskussionsrunde der Spitzenkandidaten der fünf Parlamentsparteien im ORF.

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SPÖ-Vorsitzender Werner Faymann
warb wieder einmal um die ÖVP für eine neue rot-schwarze Koalition
ohne gegenseitige Blockaden. ÖVP-Chef Wilhelm Molterer zierte sich
und erklärte, die Volkspartei müsse die Frage klären, ob man in
Opposition gehe oder in eine Regierung und bei letzterem gebe es
mehrere Möglichkeiten.
Gegen die Ausgrenzung.
FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und BZÖ-Obmann Jörg Haider
verurteilten neuerlich Ausgrenzungen seitens der SPÖ. Der Grüne
Bundessprecher Alexander Van der Bellen zeigte sich enttäuscht von
einem "Rechtsruck" durch die Wahlsieger blau und orange und meinte,
die Grünen seien die letzte Bastion gegen einen solchen Rechtsruck.
Wenig neue Inhalte.
Inhaltlich brachte die Debatte wenig Neues, sondern eher eine Art
Vergangenheitsbewältigung der letzten Wahlkampfwochen. Faymann sagte,
die Wähler hätten den Streit und den Schüssel-Molterer-Kurs abgewählt
und die Arbeit gewählt. Außerdem wollten die Menschen, dass nach den
Wahlen auch das gehalten werde, was man vorher versprochen habe, und
deshalb werde es für die SPÖ auch keine Koalition mit FPÖ oder BZÖ
geben. Strache replizierte, dass dies eine Fortsetzung des
"präpotenten und arroganten" Kurses der SPÖ sei. Haider sah eine
"breite Mitte-Rechts-Konstellation" in Österreich ähnlich wie in
Italien. Van der Bellen wollte sich auf Koalitionsspekulationen nicht
einlassen, "das ist zwecklos heute Abend". Molterer erklärte, die SPÖ
könne nicht weiter ohne weiteres Schulden machen und "die
Grundrechnungsarten außer Kraft setzen".
Faymann will mit der ÖVP koalieren.
Dass Faymann "ernsthafte Verhandlungen mit der ÖVP" anstrebt und
man wie in vielen Bundesländern und "wie in der Sozialpartnerschaft
das Gemeinsame vor das Trennende stellt", löste bei Haider einiges
Unbehagen aus. "Das ist ein Konzept, das nicht funktioniert, da kommt
nichts heraus." Als abschreckendes Beispiel nannte er die
Gesundheitsreform, wo "alle daran gekocht haben, das Ergebnis ist,
dass die Krankenkassen konkursreif sind. Das kann nicht der Sinn
einer rot-schwarzen Koalition sein". Molterer wiederum erklärte zu
Faymann, dieser solle nicht "gebetsmühlenartig" die Wahlkampfrhetorik
wiederholen. Strache lehnte neuerlich eine mögliche
SPÖ-Minderheitsregierung entschieden ab. Van der Bellen hielt Strache
immer wieder einen "klaren Ruck zum Rechtsradikalismus" vor, auch
wenn "Sie jetzt rhetorisch Kreide fressen, bis es staubt".














