Molterer warnt vor Rot-Blau und glaubt an "Wendepunkt"
Der ÖVP-Chef ist überzeugt, dass die Zusammenarbeit von SPÖ und FPÖ "ausgemachte Sache" ist. Verärgert zeigt sich Molterer über die letzte Abstimmung zum Thema Mehrwertsteuersenkung: "Kopfwäsche" für fehlende VP-Abgeordnete.

Foto © APA/ORFMolterer bei der ORF-Pressestunde
ÖVP-Chef Wilhelm Molterer hat am Sonntag einmal mehr
vor den hohen Folgekosten der Mehrwertsteuersenkung und vor einer
rot-blauen Koalition gewarnt. "Rot-blau ist in Reichweite", sagte
Molterer, gegenteiligen Beteuerungen von SP-Chef Werner Faymann
schenkt er keinen Glauben. Außerdem warnte der ÖVP-Obmann vor einer
Wirtschaftskrise: "Die Wolken am Konjunkturhimmel werden immer
düsterer, da brauchts jemanden, der etwas von Wirtschaft versteht."
Im Wahlkampf sieht er den "Wendepunkt" nun erreicht.
"Ausgemachte Sache".
Der klaren Absage Faymanns an die Zusammenarbeit mit der FPÖ traut
Molterer nicht und verweist darauf, dass der SP-Chef auch seine
Zusage vom Sommer gebrochen habe, die ÖVP im Parlament nicht zu
überstimmen. "Das ist ausgemachte Sache, davon bin ich überzeugt",
geht Molterer von einer rot-blauen Koalition aus. Für die ÖVP wollte
Molterer keine Koalitionsvariante ausschließen. "Ich schließe
grundsätzlich niemanden aus", so der VP-Chef, machte aber die
bekannte Ausnahme, dass eine mit dem EU-Austritt liebäugelnde FPÖ
kein möglicher Partner sei.
"Totale Blockade".
Zu seiner Neuwahlentscheidung vom Sommer steht Molterer trotz
schlechter ÖVP-Ergebnisse in der Sonntagsfrage. Mit der SPÖ habe
"totale Blockade" geherrscht, nun gehe es um eine
"Richtungsentscheidung": Die ÖVP stehe für Verlässlichkeit, die SPÖ
für einen einen "riskanten Weg, der die Steuern erhöhen wird, der die
Schulden erhöhen wird". Die schwachen Umfragewerte der ÖVP nimmt
Molterer gelassen und verweist auf zwei Mio. unentschlossene Wähler.
Thema Arbeitsplätze.
Außerdem warnte Molterer vor einer Konjunkturabschwächung, die
"Hunderttausende Arbeitsplätze" gefährde. Davon erwartet er sich im
Wahlkampf Aufwind. "Was ich spüre: Es ist der Wendepunkt erreicht",
meinte der VP-Chef. "Weil Österreich auf schwierigere Zeiten zugeht
werden die Österreicher die Stabilität, die Verlässlichkeit wählen."
Kritik an den textlastigen ÖVP-Plakaten wies er zurück: "Es wird
nicht über den Erfolg Österreichs entscheiden wer besser lächelt."
Ärger über Abstimmung.
Über die Abstimmungsniederlage der ÖVP am Freitag - weil
zahlreiche Abgeordnete fehlten, konnten SPÖ und FPÖ in Sachen
Mehrwertsteuer-Halbierung ÖVP, Grüne und BZÖ überstimmen - zeigte
sich Molterer verärgert. "Dieser vergangene Freitag ist tatsächlich
ein Tag, den ich im Parlament nicht mehr erleben möchte", sagte
Molterer, auch mit Blick auf die Abwesenheit Faymanns zu Beginn der
Sitzung. Und in Richtung ÖVP-Klub: "Die Kollegen haben eine
ordentliche Kopfwäsche von mir verpasst bekommen."
Studiengebühren.
Einmal mehr warnte Molterer, dass die am Freitag von den anderen
Parteien eingebrachten Anträge 25 Mrd. Euro kosten würden. Diese
"Spirale der Begehrlichkeiten" sei "brandgefährlich". Die Vorschläge
der ÖVP hält Molterer dagegen für "machbar, durchgerechnet und
finanzierbar". Nun gehe es darum, die Mehrwertsteuersenkung zu
verhindern, da sie die Steuerreform gefährden würde. Sollten SPÖ,
Grüne und FPÖ auch die Studiengebühren streichen, würde sie Molterer
- entsprechende Mehrheit nach der Wahl vorausgesetzt - wieder
einführen.












