Faymann gegen "Staatskrisengeschrei" der ÖVP
Faymann pocht auf das Ja des BZÖ zur Mehrwertsteuersenkung, gleichzeitig wird er einem Teuerungsausgleich "keinesfalls" zustimmen. Eine Lohnsteuersenkung wird laut dem SP-Spitzenkandidaten erst 2010 kommen.

Foto © ReutersProforma-Handshake zwischen ÖVP & SPÖ
SP-Spitzenkandidat Werner Faymann weist den Vorwurf
der ÖVP zurück, mit der Mehrwertsteuersenkung die Steuerreform zu
gefährden. Er verweist darauf, dass die Volkspartei ursprünglich auch
die höhere Familienbeihilfe und die Verlängerung der Hacklerregelung
abgelehnt hat, nun aber dafür ist. "Zuerst schreit die ÖVP, der Staat
geht zugrunde, dann kommt die öffentliche Diskussion, es gehen ihnen
die Argumente aus und sie stimmen zu", sagt Faymann im Gespräch mit
der Austria Presse Agentur. Eine Lohnsteuersenkung bereits 2009 hält er allerdings für unrealistisch und peilt nun 2010 als Termin für die Entlastung an.
Lohnsteuersenkung.
Faymann die Mehrwertsteuersenkung als Vorgriff auf die
Steuerreform mit einem Gesamtvolumen von rund vier Mrd. Euro. Das
nach Umsetzung des "Fünf-Punkte-Programms" verbleibende Geld soll nun
in die Lohnsteuersenkung investiert werden. Dass die Entlastung der
Lohnsteuerzahler wie im SP-Wahlprogramm vorgesehen noch 2009 in Kraft
treten kann, glaubt Faymann aber nicht mehr. Dafür sei die Zeit nach
der Wahl zu knapp, so der SP-Chef: "Wenn es nicht gelingt bis zur
Wahl, und das scheint ja wohl nicht mehr möglich zu sein, dann kann
die Steuerreform gar nicht mehr vor 2010 sein."
Die Verantwortung dafür gibt Faymann der ÖVP: "An mir ist es ja
nicht gescheitert, ich wollte den Sommer nutzen, um die Steuerreform
auf den 1.1.2009 vorzuziehen. Aber ich bin ein realistischer Mensch:
Wenn nach der Wahl eine Diskussion über die Steuerreform beginnt,
dann wird sich der 1.1.2009 nicht mehr ausgehen."
Kein Teuerungsausgleich.
Obwohl das BZÖ am Freitag vorerst gegen die Mehrwertsteuersenkung
auf Lebensmittel gestimmt hat, ist der SP-Vorsitzende zuversichtlich,
auch diesen Punkt am 24. September im Nationalrat beschließen zu
können. "Da ist in der Diskussion noch nicht aller Tage Abend",
betont Faymann - schließlich sei das BZÖ selbst in seinem
Volksbegehren für die Halbierung der Mehrwertsteuer eingetreten.
"Keinesfalls" kann er sich vorstellen, die orange Forderung nach
einem Teuerungsausgleich zu unterstützen - dieses Geld werde für die
Lohnsteuersenkung gebraucht.
Nulldefizit.
An ein ausuferndes Budgetdefizit glaubt Faymann trotz
Mehrwertsteuersenkung und Steuerreform nicht und betont, dass die von
der SPÖ geplante Lohnsteuersenkung "nach heutigen Annahmen" mit einem
Defizit von 0,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes im Jahr 2010
möglich ist. Ob sich ein Nulldefizit in der kommenden
Legislaturperiode ausgeht, will Faymann nicht beurteilen. "Ich sage
kein Nulldefizit an, weil es ja auch bisher nicht erreicht wurde", so
der SP-Chef - entscheidend sei, dass das Geld zur Verhinderung von
Arbeitslosigkeit, zur Stärkung der Wirtschaft und für staatliche
Investitionen eingesetzt werde.
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