Die große und die kleine Welt des Wahlkampfes
Molterer schaute bei den EU-Finanzministern in Nizza vorbei. Faymann verpackt sein Paket neu. Pröll schart Freunde um sich.

Foto © APAJosef Pröll wurde beschenkt
Für einen Kurzausflug nach Nizza unterbrach Wilhelm Molterer Samstagvormittag seinen Wahlkampf, um beim halbjährigen informellen Treffen der EU-Finanzminister kurz vorbeizuschauen. Strahlend war an der Cote d'Azur nur das Wetter, nicht der Tenor der internen EU-Debatte. "Wir steuern auf wirtschaftlich schwierigere Zeiten zu, als wir es erwartet haben", so der ÖVP-Chef auf der Rückreise zur Kleinen Zeitung, um gleich daraus politisches Kapital für den Wahlkampf zu schlagen. "Österreich droht am 24. September der teuerste Tag in der Geschichte der Republik." An diesem Tag sollen über die im Nationalrat eingebrachten Anträge, die laut ÖVP 25 Milliarden Euro kosten, abgestimmt werden. "Bei diesem Hasardspiel mache ich nicht mit."
ÖVP-Linie umstritten.
Molterer räumt offen ein, dass diese Linie innerhalb der ÖVP nicht unumstritten war. "Es hat natürlich bei meinen Parteifreunden den einen oder anderen gegeben, der gesagt hat: ,Warum machst du da nicht mit? Leg doch ein Schäuferl nach!' Heute bin ich froh, dass ich den Verlockungen widerstanden habe." Lediglich bei der Ausdehnung der Familienbeihilfe auf Kleinkinder habe er sich breitschlagen lassen.
Entspannt.
Trotz der Umfragen gibt sich Molterer zwei Wochen vor der Wahl relativ entspannt. Er will sich als "Stimme der Vernunft" positionieren. Ob die Rechnung aufgeht? "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in Österreich eine Mehrheit gegen die Vernunft gibt." Mit im Gepäck nach Nizza hatte Molterer ein Geburtstagsgeschenk für seinen deutschen Kollegen Peer Steinbrück: eine Ausgabe der "Arbeiterzeitung" vom Tag der Geburt des deutschen SPD-Finanzministers.
Ob Österreichs neuer SPÖ-Chef dem deutschen Parteikollegen gratuliert hat, ist nicht bekannt. Werner Faymann tourte am Samstag wahlkämpfend durch die Steiermark. Er konzentriert sich jetzt darauf, dem Vorwurf des billigen Populismus und der milliardenteuren Wahlgeschenke auf Kosten der Zukunft entgegenzutreten. Man verspreche doch gar nichts wie Alfred Gusenbauer, so Faymann. Das Fünf-Punkte-Programm sei doch nur ein Vorgriff auf die Steuerreform 2010, weil die Menschen das jetzt bräuchten: "Wir sagen, ein Teil soll jetzt passieren." Der SPÖ-Chef verpasst seinem Wahlschlager auch noch eine zweite schmucke Verpackung: Die Belastungen der Menschen etwa durch die Steuerprogression sei so hoch, dass man ihnen etwas zurückgeben müsse. Die fünf Punkte seien "kein Zuckerl, sondern eine Rückgabe".
Polit-Prominenz bei Josef Pröll.
Er ist schon seit sieben Jahren in der Regierung, hat aber erst seinen 40. Geburtstag: Landwirtschaftsminister Josef Pröll feierte am Samstag in der "Gärtnerei", einem Nobelrestaurant am Rande der niederösterreichischen Landesgartenschau in Tulln, mit Freunden und Promis aus Politik, Wirtschaft, Kunst und Medien sein rundes Jubiläum. Gesichtet wurden Vizekanzler Molterer, Minister Johannes Hahn, Bauernbund-Chef Fritz Grillitsch, Landwirtschaftskammer-Präsident Gerhard Wlodkowski, AUA-Chef Alfred Ötsch, Nationalbank-Präsident Claus Raidl, RaiffeisenBoss Christian Konrad, Wüstenrot-Chefin Susanne Riess-Passer, Alfons Haider, Fernsehkommissarin Kristina Sprenger, EU-Abgeordneter Otmar Karas, die Staatssekretäre Reinhold Lopatka und Christine Marek. Sacher-Chefin Elisabeth Gürtler servierte eine überdimensionierte Geburtstagstorte. Zur später Stunde schaute dann auch der Onkel des Jubilars, Niederösterreichs Landeshauptmann Erich Pröll, vorbei.












