Österreicher gegen Rot-Schwarz
Eine Neuauflage der Koalition zwischen SPÖ und ÖVP wird von der Mehrheit der Österreicher abgelehnt. Auch Ausgrenzung von FPÖ und BZÖ ist nicht erwünscht.

Foto © Erwin ScheriauAm ehesten könnten sich noch SPÖ-Anhänger mit einer Neuauflage der Koalition anfreunden.
Die Regierungsbildung wird schwierig, wenn es nach insgesamt 850 Befragten geht, die an einer Umfrage des Linzer Meinungsinstituts IMAS teilgenommen haben. Denn nur 15 Prozent sprachen sich dabei dafür aus, dass es nach der
Wahl wieder eine Koalition von SPÖ und ÖVP geben sollte. 55 Prozent
wollen eine "ganz andere Regierung". 30 Prozent machten dazu keine
Angabe. Gegenüber einer ähnlichen Umfrage Mitte August hat lediglich
ein Teil der Gegner von Rot-Schwarz zur Gruppe der Unentschiedenen
gewechselt. Die Befürworter der bisherigen Koalition waren schon
damals in der Minderheit.
Massive Ablehnung. Am ehesten liebäugeln noch die SPÖ-Anhänger mit einem neuerlichen
Zusammengehen mit der ÖVP. Deren Anhänger fänden jedoch daran recht
wenig Gefallen, stellten die Meinungsforscher fest. Das massivste
Unbehagen beim Gedanken an eine abermalige rot-schwarze Regierung
verspüren nicht gerade überraschend die Freiheitlichen, die Grünen,
aber auch die noch unentschlossenen Wähler.
Gegen Ausgrenzung.
Eine ganz neue politische Kombination bei der Regierungsbildung
dürfte jedoch schwierig werden, solange von Parteien Farbenspiele mit
Blau oder Orange ausgeschlossen werden. Die für die Bevölkerung
repräsentativ ausgewählten Befragten erklärten indes zu 46 Prozent,
sie hielten diese Ausgrenzung von FPÖ und BZÖ für falsch, 19 Prozent
für richtig. 35 Prozent waren unentschieden. Unter den Anhängern der
Sozialdemokraten ist die Gegnerschaft zur Ausgrenzung mit 39 Prozent
fast genau so verbreitet wie die Befürwortung mit 37 Prozent.
Eindeutig für richtig gehalten wird die Ächtung von FPÖ und BZÖ nur
mehr von den Grün-Affinen mit 46 Prozent - gegenüber 29 Prozent, die
das für falsch halten.
Kleine Parteien. Stellt sich die Frage, welche Rolle die fünf bundesweiten
Mitbewerber Liste Dinkhauser, LIF, KPÖ, Rettet Österreich und die
Christenpartei bei der Regierungsbildung spielen könnten. Noch vor
einem Monat hatte jeder zweite Österreicher die neuen Listen als ein
wichtiges Element in der Politik empfunden. Inzwischen wird ihr
Antreten aber nur mehr von 22 Prozent begrüßt. Ebenso viele halten es
nicht für gut. 54 Prozent stehen ihnen gleichgültig gegenüber. Damit
könnten sie dem in der Politologie beschriebenen "Fallbeil-Effekt"
unterliegen: Kleinen Parteien wird die Gunst möglicher Wähler wieder
entzogen, weil mit dem Scheitern der Partei gleichzeitig die eigene
Stimme wirkungslos werden würde.













