Erneut Aufregung um Terminfindung
ÖVP, Grüne und BZÖ warfen Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (S) in einer Geschäftsordnungsdebatte parteipolitisches Vorgehen vor, diese wies dies scharf zurück.

Foto © APABarbara Prammer
Zu Beginn der Sondersitzung des Nationalrats am
Freitagvormittag hat es erneut Aufregung um die am Mittwoch zustande
gekommene Terminfindung für den Sitzungstermin gegeben.
Beschwerde von Schüssel. ÖVP-Klubobmann Wolfgang Schüssel beklagte, dass die Vorgangsweise,
die Sitzung innerhalb 48 Stunden einzuberufen, "allen
parlamentarischen Usancen" widerspreche. Man habe bisher immer den
Konsens gesucht, und die Nationalratspräsidentin solle versuchen, das
Einvernehmen herzustellen. Schüssel verwies darauf, dass in der
Präsidiale am Mittwoch alle Fraktionen außer Antragsteller SPÖ sowie
der FPÖ gegen den 12. September als Termin gewesen wären. "Sie haben
im Sinne ihrer Partei und gegen die Mehrheit des Hauses entschieden",
sagte Schüssel in Richtung Prammer. Er protestiere daher
"ausdrücklich", so der Klubchef.
Grüne empört. Empört zeigte sich auch Grünen-Chef Alexander Van der Bellen. Er
erklärte, man hätte sich schon auf den 12. September als Termin
einigen können, wenn die SPÖ den Antrag früher eingebracht hätte.
"Aber so kann ich Schüssel nur recht geben." Es entstehe der
Eindruck, dass das "wieder einmal ein Paarlauf zwischen Rot und Blau"
sei. BZÖ-Klubchef Peter Westenthaler beklagt, dass Prammer "erstmals
in der Geschichte" eine Sondersitzung innerhalb 48 Stunden einberufen
habe. "Es war eine parteipolitische Entscheidung." Prammer hätte als
Präsidentin aber nicht parteipolitisch, sondern objektiv zu
entscheiden.
"Wahlkampftheater". SPÖ-Klubobmann Josef Cap sprach von "Wahlkampftheater". Er wünsche
den anderen Fraktionen "Alles Gute", wenn man den Bürgern sage, dass
48 Stunden für die Einberufung zu kurz seien. In Richtung Schüssel
fragte er, warum es nicht möglich gewesen sei, die Präsidiale schon
früher stattfinden zu lassen und warf seinem VP-Kollegen vor, hier
verzögert zu haben. "Man kann nicht früh genug sich hier versammeln,
um die negativen Auswirkungen der Teuerung zu besprechen", rührte
dann auch er die Wahlkampftrommel. Die Aufregung sei jedenfalls
unbegründet. Und von Seiten der FPÖ hieß es, Tatsache sei, dass alle
Mandatare Zeit gefunden hätten, an dieser Sitzung teilzunehmen.
Prammer wehrt sich. Prammer sagte, sie weise den Vorwurf des parteipolitischen
Handelns "aufs Schärfste" zurück. Nachdem bei der Präsidiale am
Mittwoch kein Konsens über einen Termin gefunden werden konnte und
auch "bilaterale Gespräche" keine Einigung gebracht hätten, habe sie
die Entscheidung alleine treffen müssen. Sie habe diese aus rechts-
und demokratiepolitischen Gründen getroffen. Außerdem habe sie sich
für den heutigen Termin entschieden, um auch die Durchführung von
Ausschusssitzungen zu gewährleisten.












