Homo-Ehe: Grüne buhlen um Wählergunst
Die Gleichstellung von homosexuellen Paaren ist nach Ansicht der Grünen Abgeordneten Ulrike Lunacek ein im aktuellen Nationalratswahlkampf sträflich vernachlässigtes Thema.

Foto © APUlrike Lunacek
Lesben und
Schwule würden sich in Österrreich nach wie vor in einem "rechtlichen
Niemandsland" befinden. Zum Feindbild erklärten die Grünen am
Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien das veraltete
Familienkonzept der ÖVP und den von der FPÖ verbreiteten
"Schwulenhass".
Forderungen für Paare. Lunacek erneuerte ihre Forderung nach einem modernen
Partnerschaftsrecht, dem sogenannten Zivilpakt (Zip). Der
wesentlichste Unterschied zur Ehe bestehe darin, dass beim Zip nach
einer Trennung von den Partnern keinerlei Unterhaltsansprüche geltend
gemacht werden können. Diese Partnerschaftsmodell soll aber nicht nur
schwulen und lesbischen Paaren offen stehen, sondern ist ebenso für
heterosexuelle Lebensgemeinschaften gedacht. Darüber hinaus steht
auch die Öffnung der traditionellen Ehe für Homosexuelle nach wie vor
auf der Agenda der Grünen. Für die Sondersitzung des Nationalrates am
Freitag kündigte Lunacek zwei entsprechende Fristsetzungsanträge an.
Meinungsumschwung. In der Bevölkerung ortete Lunacek einen Meinungsumschwung beim
Thema "Homo-Ehe". Immerhin hätten sich in einer Umfrage aus dem Jahr
2004 rund 64 Prozent der Befragten für eingetragene Partnerschaften
für homosexuelle Paare ausgesprochen. Zwei Jahre später hätten bei
einer Eurobarometer-Befragung immerhin 49 Prozent der Österreicher
Zustimmung zu einer Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare
signalisiert.
Postkarten-Werbung. Die Grünen Andersrum, eine Teilorganisation der Partei, wirbt mit
Postkarten, Gratis-Kondomen, sowohl für Männer als auch mit einem
Modell speziell für Frauen, um die Wählergunst von Lesben und
Schwulen. Die Postkarten zeigen unter anderem zwei Pensionisten beim
Kaffeetrinken. Über dem Pärchen steht geschrieben "Sie konnten sich
im Leben alles sagen... bis auf das Wörtchen JA". Es seien bewusst
ältere Menschen für das Sujet ausgewählt worden, erkärte Lunacek.
Immerhin würden Senioren und Seniorinnen besonders unter den
rechtlichen Ungleichheiten leiden, etwa beim Erbschaftsrecht oder
wenn ein Partner krank werde.












