ÖVP zwischen erstem und zweitem Platz
Die Partei initiierte drei vorgezogene Neuwahlen seit 1995. Dabei fuhr sie einmal eine große Niederlage ein, ein anderes Mal ging die Rechnung auf. Wie sieht es dieses Mal aus?

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Die ÖVP hofft bei der Nationalratswahl am 28.
September auf den ersten Platz. Als Parteichef Wilhelm Molterer im
Juli die Koalition für beendet erklärte, sah es auch danach aus.
Mittlerweile erinnern die Umfragen aber wieder an das Jahr 1995, als
die ÖVP bei der von Ex-Parteichef Wolfgang Schüssel ausgerufenen
Neuwahl nur Zweite wurde. 2002 brachte die dritte in 13 Jahren von
der ÖVP vom Zaun gebrochene Neuwahl allerdings einen fulminanten
Erfolg.
Rekordzuwachs. Damals wurden die Schwarzen - dank dem Einbruch ihres
Koalitionspartners FPÖ - erstmals seit 1966 wieder Erste, mit einem
Rekordzuwachs von 15,4 Punkten auf 42,3 Prozent. Aber weder den
ersten Platz noch annähernd dieses Ergebnis konnten sie bei der
regulären Wahl 2006 halten: Die ÖVP fiel mit ihrem zweitgrößten
Verlust der Zweiten Republik auf 34,3 Prozent zurück. Dies, obwohl
die damalige Kanzlerpartei ziemlich sicher war, die
Bawag-krisengeschüttelte SPÖ zu besiegen.
Koalition geplatzt. Recht siegessicher war die ÖVP auch im Jahr 1995, als sie zum
ersten Mal die Koalition mit der SPÖ platzen ließ. Damals legte sie
zwar leicht zu - und zwar erstmals seit dem Aufstieg der FPÖ -, aber
es reichte bei weitem nicht, um die SPÖ mit ihrem wesentlich größeren
Zuwachs zu überholen. Auch Schüssels Wunsch, die Große Koalition
durch eine schwarz-blaue Regierung abzulösen, scheiterte - weil die
Mehrheit zu dünn gewesen wäre.
Größte Schlappe. Die reguläre Wahl 1999 brachte der ÖVP dann ihre größte Schlappe
seit 1945: Sie fiel auf ihr historisches Tief von 26,9 Prozent zurück
und wurde knapp hinter der FPÖ sogar nur Dritte. Dennoch schaffte es
Schüssel endlich, eine schwarz-blaue Koalition zu etablieren - mit
ihm als Kanzler. Die blieb auch nach der Neuwahl 2002 bestehen - die
Schüssel angesichts der Turbulenzen in der FPÖ ausgerufen hatte.
Ausgangssituation. In die jetzige Wahl geht die ÖVP mit dem fünftschlechtesten
Ergebnis der Zweiten Republik. Wenn sie am 28. September unter die
30-Prozent-Marke abrutscht - was laut den Umfragen durchaus möglich
ist -, dann ist es für die ÖVP (anders als für die SPÖ) nicht das
erste Mal: Schon 1994 (27,7), 1995 (28,3) und 1999 (26,9 Prozent) lag
sie darunter.
Ergebnisse schwanken. Insgesamt schwankten die Ergebnisse der ÖVP über die Jahre recht
stark: Bis inklusive der Wahl 1986 lag sie konstant über 40 Prozent,
1990 rutschte sie auf 32,1 ab, dann - während der Ära Haider - für
drei Wahlen unter 30 Prozent, 2002 wieder über 40 und zuletzt auf
34,4 Prozent. Eine absolute Mehrheit im Stimmenanteil schaffte die
Volkspartei nie, von 1966 bis 1970 regierte sie aber allein mit mehr
als der Hälfte der Nationalratsmandate. Und von 1945 bis 1970 stellte
sie die Kanzler. Aus den bisher 19 Wahlen der Zweiten Republik ging
die ÖVP aber nur sechs Mal als Sieger hervor.
ÖVP-Hochburgen. Hochburgen der ÖVP bei Nationalratswahlen sind die eher kleineren
Bundesländer Tirol und Vorarlberg, wo sie bei jeder Wahl seit 1945
vorne lag. Häufig und auch 2006 wählte auch eine Mehrheit der
Niederösterreicher und Salzburger schwarz. Oberösterreich und die
Steiermark gingen 2006 verloren. In Kärnten wurde die ÖVP sogar
hinter dem BZÖ nur Dritte.













