TV-Duell Faymann-Van der Bellen im Schongang
SPÖ-Spitzenkandidat Werner Faymann wirbt um Grüne und lobt stabile Kräfte in der ÖVP. Grünen-Chef Van der Bellen sieht "Blinklichter" von Faymann.

Foto © APA / ORF
Das zweite TV-Duell der Spitzenkandidaten für die
Nationalratswahl am 28. September zwischen SPÖ-Chef Werner Faymann
und dem Grünen Bundessprecher Alexander Van der Bellen verlief
Dienstag abend in eher ruhigerer Atmosphäre. Faymann bejahte die
Frage von Moderatorin Ingrid Thurnher, ob er um die Grünen werbe. Van
der Bellen, der vier von fünf Forderungen der SPÖ im Kampf gegen die
Teuerung zustimmen will, sah trotz Unterschieden in den Themen EU,
Verkehr und Energie doch"Blinklichter" von Faymann für rot-grün.
Gleichzeitig unterstrich der SP-Kanzlerkandidat, dass für ihn eine
große Koalition mit der ÖVP weiterhin möglich sei.
Inflation.
Beim Fünf-Punkte-Programm der SPÖ gegen die Inflation wandte sich
Van der Bellen vor allem gegen die Halbierung der Mehrwertsteuer von
zehn Prozent auf Lebensmittel. Er bezeichnete dies als "größten
anzunehmenden Unsinn in der Budgetpolitik". Diese Maßnahme sei nicht
treffsicher. Die Grünen würden angesichts des Verdachts von
Preisabsprachen im Handel am morgigen Mittwoch den
Bundeskartellanwalt informieren. Jedenfalls sieht der grüne
Langzeitchef keinen Sinn darin, bei der Mehrwertsteuer das
Gießkannenprinzip anzuwenden. Und sie werde deutlich mehr als eine
Milliarde Euro kosten und nicht wie von Faymann angegeben nur 700
Millionen Euro.
3,5 Millionen Haushalte betroffen.
Faymann hielt dem entgegen, dass die Menschen unter der Teuerung
leiden und eine Entlastung notwendig sei. Wenn die Konjunktur
schwächer werde, könne man nicht darauf warten, dass dies passiere,
sondern man müsse rechtzeitig handeln. Immerhin wären 3,5 Millionen
Haushalte positiv . Und eine Reduzierung der Mehrwertsteuer
sei in der EU nichts ungewöhnliches. Es gebe einige Länder die sogar
nur zwei Prozent Mehrwersteuer auf Lebensmittel haben. Wichtig sei,
dass der Bürger jetzt etwas spüre.
Studiengebühren.
Was die Abschaffung der betrifft, waren sich beide
Politiker einig. Für Faymann ist es "selbstverständlich", dass die
Universitäten dabei das ihnen entgehende Geld 1:1 ersetzt bekommen
müssen.
Verkehrs- und Energiepolitik.
Etwas emotional wurde es beim Thema Verkehrs- und Energiepolitik.
Faymann hielt den Grünen vor, gegen den Straßenausbau zu sein, er
trete aber für den Ausbau von zweiten Tunnelröhren auch im Sinn der
Sicherheit ein. Van der Bellen reagierte verärgert und meinte, dieses
Thema liege vielleicht in der Prioritätenliste an hundertster Stelle.
Wichtig sei im Sinn des Klimaschutzes schleunigst Maßnahmen auch
durch die Bevorzugung des öffentlichen Verkehrs zu erreichen. Dass
die Mobilität aber ein Grundbedürfnis der Menschen sei, stehe außer
Frage.
Bahn.
Faymann verwies darauf, dass er 18 Monate versucht habe, die Bahn
auszubauen. Er habe keine Freude an den hohen Benzinpreisen. Und was
die Förderung von Unternehmen betrifft, die auf erneuerbare Energien
setzten, betreffe dies nicht nur sein Ressort.
Features
Fakten
Zu Beginn der Debatte hatte Van der Bellen die SPÖ als ein "bißl provinziell" bezeichnet. Faymann meinte, er habe "die Grünen früher als starke Bewegung in Erinnerung, aber es gibt die Möglichkeit, gut zusammenzuarbeiten.













