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  • 20. April 2014 00:14 Uhr | Als Startseite
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    Zuletzt aktualisiert: 26.07.2011 um 11:47 UhrKommentare

    Herr der vielen Versprechungen

    Hamid Karsai steht für Korruption, wie der Tod seines Bruders zeigt.

    Hamid Karzai

    Foto © APAHamid Karzai

    Im Nahen und Mittleren Osten gibt es nicht wenige Politiker, die in unterschiedlichen Sprachen gegensätzliche Inhalte transportieren. Im Englischen oder Französischen geben sie Erklärungen ab, die dem Westen gefällig sind, in ihren Landessprachen erklären sie schließlich, was den Massen gefällt - und danach handeln sie auch.

    So ist es auch beim afghanischen Präsidenten Hamid Karsai, an dem die USA mangels Alternativen noch immer festhalten. Nachdem Barack Obama und Ban Ki Moon ihn 2009 eindringlich aufgefordert hatten, die Korruption zu bekämpfen, hat er zunächst gezögert und gemeint, der Westen selbst sei an den Missständen schuld. Das viele Geld, das ins Land fließt, verführe geradezu zur Bestechlichkeit. Da haben ihm die Geldgeber aber rasch klar gemacht, dass die Korruption sehr wohl ein innerafghanisches Problem sei. Und flugs gelobte Karsai Besserung und erklärte, dass die Korruption ein "gefährliches Problem" sei, gegen das er ankämpfen werde.

    Dass er nichts in diese Richtung unternommen hat, belegt nun der Tod seines Bruders Ahmed Wali Karsai. Der Vorsitzende des Provinzrates von Kandahar wurde gestern von einem als Leibwächter getarnten Taliban-Kämpfer erschossen. Der Ermordete soll vor allem in Drogengeschäfte verwickelt gewesen sein.

    Wie korrupt das Land unter Hamid Karsai tatsächlich geworden ist, beleuchten die jüngsten WikiLeaks-Veröffentlichungen. So soll das Verkehrsministerium in Kabul jährlich rund 200 Millionen US-Dollar einnehmen, aber nur 30 Millionen davon an die Regierung weiterleiten. Der Rest versickert in dunklen Kanälen. Zudem, so das Aufdeckerportal, gebe es im Kabinett Karsais nur einen einzigen Minister, der nicht unter Korruptionsverdacht steht. Käuflichkeit wird in Kabul gar nicht als anstößig empfunden. Deswegen hatten korrupte Minister auch keine Scheu, US-Diplomaten zu erklären, dass sie bei Hilfsprojekten bis zu vier Mal die Hand aufhalten.

    Gleichmütig hat der Präsident den Tod seines Bruders mit den Worten "So ist das Leben" erklärt. Wir wissen: ein ewiges Nehmen und Geben.

    WOLFGANG SOTILL

    Fakten

    Hamid Karsai, geboren am 24. Dezember 1957 bei Kandahar.

    Werdegang: Unterstützte Ende der 1980er-Jahre Kämpfe gegen die Sowjets. Arbeitete nach 9/11 mit den USA zusammen, wurde im Dezember 1991 in Bonn zum Präsidenten bestellt, 2009 wiedergewählt.

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