Kämpfer gegen den Hunger der Welt
Graziano da Silva ist neuer Generaldirektor der UN-Organisation FAO

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Der Mann, der Franz Fischler in Rom keine Chance auf den begehrten FAO-Chefposten ließ, ist bereits hart erprobt im Kampf gegen Hunger. In seinem Heimatland Brasilien verantwortete der künftige FAO-Generaldirektor Graziano da Silva das Anti-Armutsprogramm "Hunger zero", also null Hunger. Binnen fünf Jahren seien so 24 Millionen Brasilianer aus extremer Armut geholt worden, heißt es auf der professionell gemachten Homepage da Silvas.
Jetzt geht es um die ganz großen, seit Jahrzehnten ungelösten Mammutaufgaben der Welt. Eine Milliarde Menschen auf diesem Planeten leiden unter extremer Armut. Bisher ist die FAO an ihrem bereits 1999 formulierten Ziel gescheitert, die Zahl jener, die von weniger als einem Dollar täglich leben zu müssen, zu halbieren. Bis 2015 soll es nun gelingen. Auf dem Weg dorthin muss der 61-Jährige erst einmal politische Altlasten in der Food and Agriculture Organization (FAO) beseitigen. Zumindest offiziell muss sich der 61-Jährige dabei noch gedulden. Denn statt sofort den Sessel freizumachen, wird der wohlgenährte Noch-Amtsinhaber Jacques Diouf aus dem Senegal seine 18 Jahre Amtszeit bis zum Jahresende voll auskosten.
Deshalb wird da Silvas Amtszeit nur dreieinhalb Jahre dauern, einmal könnte er noch wiedergewählt werden. Um künftig jahrelangen Stillstand zu verhindern, wurden mit dieser Wahl nämlich gleich die Statuten reformiert.
Der Agrarökonom und Soziologe da Silva - selbst seit vielen Jahren in hoher Position in der FAO - warnte gestern jedenfalls vor zu großen Hoffnungen. Er rechne mit anhaltend hohen Preisen für Lebensmittel in der Welt. "Solange wir keine stabilere Finanzsituation in der Welt erreichen, werden die Rohstoffpreise diese Instabilität widerspiegeln."
Spekulationen an den Finanzmärkten sind ein Thema, andere sind fortschreitende Umweltzerstörung und der Klimawandel. Brasilien, auf der Schwelle vom Entwicklungs- zum Industrieland, ist selbst alles andere als ein Umweltmusterland, investiert etwa in umstrittene Biospritproduktion. Gelingt da Silva die globale Armutswende nicht, unken Kritiker, werde die FAO bedeutungslos. CLAUDIA HAASE
Features
Zur Person
Jose Graziano da Silva wurde 1949 in Sao Paulo geboren.
Werdegang: Der studierte Agrarökonom und Soziologe ist seit 1977 auf politischer Ebene Armutsbekämpfer, 2001 setzte er unter Präsident Lula da Silva das Programm "Null Hunger" um. Seit 2006 in der FAO.











