Recep Tayyip Erdogan: Der Sultan von Ankara
Er präsentiert sich gerne als Mann des Volkes, seine Gegner beschuldigen ihn bis heute eine versteckte islamistische Tagesordnung zu verfolgen: Recep Tayyip Erdogan hat mit seinem Wahlsieg seine Macht einzementiert.

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Als Recep Tayyip Erdogan 1999 wegen religiöser "Aufhetzung des Volkes" für vier Monate ins Gefängnis musste, war seine politische Karriere auf einem gefährlichen Tiefpunkt. Eine flammende Rede hatte den islamistischen Bürgermeister von Istanbul hinter Gitter gebracht. "Die Minarette sind unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme, die Moscheen unsere Kasernen und die Gläubigen unsere Armee", hatte er bei einer Veranstaltung der später verbotenen Wohlfahrtspartei (RP) ein Gedicht zitiert.
Sieht sich als Mann des Volkes
Zwölf Jahre später ist Erdogan (57) der wohl mächtigste Regierungschef der Türkei seit Jahrzehnten. Seine in Abkehr von den Fundamentalisten 2001 gegründete Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) hatte er in wenig mehr als einem Jahr an die Macht geführt und dem Land eine nicht gekannte Phase der politischen Stabilität und des wirtschaftlichen Aufschwungs gebracht. Die islamisch-konservative und zugleich moderne politische Kraft verdrängt die alte, säkulare Elite des Landes nun Schritt für Schritt. Im Istanbuler Arbeiter- und Armenviertel Kasimpasa begann der Werdegang Erdogans, dessen Familie aus dem Schwarzmeergebiet nach Istanbul gekommen war. Erdogan verkaufte Wasser und Süßigkeiten auf der Straße, um zum Einkommen der Familie beizutragen. Der einstige Amateur-Kicker begeistert sich bis heute für Fußball. Dass er ein Mann aus dem Volkes ist, lässt er immer wieder anklingen.
Gesellschaftlich geprägt wurde er vom Besuch der religiösen Imam-Hatib-Schule, an der Prediger und Vorbeter ausgebildet werden. Sein politischer Ziehvater war Necmettin Erbakan, die inzwischen gestorbene graue Eminenz des politischen Islams in der Türkei. Auf dem Ticket der Wohlfahrtspartei wurde Erdogan mit 40 Jahren Oberbürgermeister der Metropole Istanbul. Er präsentierte sich als Saubermann, der soziale Leistungen ausbaute und die Tilgung des Schuldenberges anging. Doch schon damals gab es Streit um den Ausschank von Alkohol und nach Jungen und Mädchen getrennte Schulbusse.
Scharfe Kritik von seinen Gegnern
Seine Gegner beschuldigen ihn bis heute eine versteckte islamistische Tagesordnung zu verfolgen. Dass Erdogan immer autoritärer auftritt, hat ihn inzwischen die Unterstützung liberaler Kräfte gekostet. Der Regierungschef führe sich inzwischen selbstherrlich wie ein Sultan auf, lautet ein Vorwurf.











