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Zuletzt aktualisiert: 24.05.2011 um 10:32 UhrKommentare

Der Absturz des Hoffnungsträgers

Regierungschef Zapatero (50) hat das Vertrauen der Spanier verspielt. Die Jugendproteste und das Debakel bei den Regionalwahlen zeugen davon.

Jose Luis Zapatero

Foto © ReutersJose Luis Zapatero

Die harte Krise Spaniens und die politische Talfahrt seiner Regierung haben sichtbare Spuren im Gesicht von Jose Luis Zapatero (50) hinterlassen. Das berühmte Lächeln des spanischen Ministerpräsidenten wirkt gezwungen, tiefe Schatten umrändern die müden Augen, Sorgenfalten haben sich um Nase und Mund eingegraben. Seine Popularität beim Volk ist auf dem Tiefpunkt. Die Mehrheit der 47 Millionen Spanier hat das Vertrauen in Zapatero verloren. Die Jugendproteste und das Debakel bei den Regionalwahlen zeugen davon. Schon im April zog Zapatero die Konsequenzen und verkündete seinen Abschied: "Ich werde nicht als Spitzenkandidat in den nächsten Wahlen antrete", sagte er. Es wird ein bitterer Abschied auf Raten.

Zapatero war vor sieben Jahren als linker Hoffnungsträger und Reformer an die Macht gekommen. Seine erste Amtshandlung war damals der Rückzug der spanischen Truppen aus dem Irak. Anschließend sorgte er mit sozialen Reformen, die Spaniens verstaubte Gesellschaft umkrempelten, international für Aufsehen: Homo-Ehe, Express-Scheidung, Frauen-Gleichstellung, Liberalisierung der Abtreibung. Er stutzte den Einfluss der katholischen Kirche, die immer noch versucht, wie in der 1975 erloschenen Franco-Diktatur, mitzuregieren. Und führte Vaterschaftsurlaub, Pflegeversicherung und Familienförderung ein.

Nur die bitter notwendigen Reformen in der Wirtschaftspolitik verschlief Zapatero, jahrelang redete er die schon 2003 beginnende Krise schön. Vor allem deswegen steuerte Spanien unvorbereitet und blindlings ins Verderben: Der ungesunde und unkontrollierte Immobilienboom, Motor des damaligen spanischen Wirtschaftswunders, stoppte plötzlich. Verwandelte sich in einen verheerenden Crash, der die gesamte Wirtschaft und den Staatshaushalt in die Tiefe zog. Der EU-Musterschüler Spanien wurde über Nacht wieder zum Sorgenkind, 20 Prozent sind ohne Job.

"Ich kam mit einem Lächeln", vertraute Zapatero jüngst einem Freund an, "und ich werde auch mit einem Lächeln gehen." Die große Mehrheit der Spanier hat derzeit hingegen wenig zu lachen.


Fakten

José Luis Rodriguez Zapatero, geboren am 4. August 1960 in Valladolid.

Werdegang: 1986 jüngster Abgeordneter im spanischen Parlament. Im Jahr 2000 zum Parteichef der Sozialisten gewählt. Seit 2004 Ministerpräsident. Verheiratet, zwei Töchter.

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