Der volksblinde Augenarzt
Syriens Staatschef Bashar al-Assad (45) lässt auf sein Volk schießen.

Foto © ReutersBashar al-Assad
Vor zwei Monaten gab er sich noch unerschütterlich: Syrien habe größere Probleme als viele arabische Nachbarn, sei aber deutlich stabiler. Grund dafür sei die enge Bindung seiner Führung "an die Überzeugungen des Volkes". Wenn es einen Riss gebe zwischen offizieller Politik und den Interessen des Volkes, entstehe jenes Vakuum, das Unruhen erzeuge, dozierte Syriens Präsident Bashar al-Assad. Anders als die Präsidenten von Tunesien und Ägypten habe er vom ersten Tag im Amt an mit Reformen begonnen, verkündete er selbstgewiss.
Inzwischen möchte der gelernte Augenarzt seine vollmundige Prognose wohl lieber ungeschehen machen. Seit vier Wochen stehen auch in Syrien die Zeichen auf Sturm. Die Protestbewegung erfährt großen Zulauf, ihre Forderungen werden radikaler. Das Regime reagiert mit einer Mischung aus viel Härte und wenigen politischen Konzessionen. Der 45-Jährige ließ auf Demonstranten schießen, gleichzeitig hob er den seit 1963 geltenden Ausnahmezustand auf. Die Menschen aber bleiben skeptisch. "Elf Jahre haben wir auf Reformen gewartet und nichts ist geschehen", sagt eine Demonstrantin.
Elf Jahre ist Assad nun an der Macht. Am 10. Juli 2000 wurde er mit 97,29 Prozent der Stimmen zum Staatschef gekürt - die erste Vater-Sohn-Machtfolge in einer arabischen Republik. Vieles kam seither in Bewegung, nur eines änderte sich nicht: Syrien blieb der härteste Polizeistaat der Region, so wie ihn Vater Hafiz Assad in dreißig Jahren Diktatur geschaffen hatte.
Sohn Bashar ging 1992 nach seinem Studium der Augenheilkunde an das Saint Mary's Hospital in London, wo er seine Frau Asma kennenlernte, Tochter eines bekannten Herzchirurgen. Das Paar hat drei Kinder. Politische Ambitionen ließ er zunächst nicht erkennen, eher machte er sich einen Namen als Computerfreak.
Zurück in Damaskus und in den Fußstapfen seines Vaters lernte er schnell. Er sei ein Segler, "der die politischen Winde zu nutzen versteht, die durch die Region fegen", räsonierte Assad über Assad im Vorjahr. Nun fegt ihn der politische Wind in der Region möglicherweise davon.
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Fakten
Bashar al-Assad, geboren am 11. September 1965 in Damaskus.
Karriere: Französisch-arabisches Gymnasium in Damaskus. Medizin-Studium in Damaskus, später in London, wo er zum Augenarzt ausgebildet wurde. Seit 2000 Staatspräsident. 2007 für sieben Jahre im Amt bestätigt.











