Ein Bischof, der umarmt und kämpft
Durch den alternativen Friedensnobelpreis, den "Dom Erwin", wie Bischof Erwin Kräutler in Brasilien genannt wird, nun erhalten hat, fühlt er sich vor allem im Kampf gegen den Staudamm Belo Monte bestätigt.

Foto © APAErwin Kräutler: "Ein Bischof gehört unter das Volk"
Warum er mit 25 Jahren nach Brasilien gegangen ist? Ob er trotz der Morddrohungen keine Angst hat und warum er auch nach dem Mord an seinem Vorarlberger Mitbruder in seinem Bischofshaus im brasilianischen Altamira nie ans Aufhören gedacht hat? Fragen, die dem Vorarlberger Erwin Kräutler in jedem Interview gestellt werden. Der 71-jährige Kämpfer für die Rechte der indigenen Völker in der größten Provinz Brasiliens, in Xingu, beantwortet dennoch bei seinen seltenen Aufenthalten in Österreich immer wieder geduldig all die Fragen. Dass er immer schon von Brasilien fasziniert gewesen ist, dass zwei Onkel bereits in Xingu als Priester gearbeitet haben und einer dieser Onkel vor ihm dort Bischof gewesen ist. Und dass er nie aufhören werde, für die Rechte der indigenen Völker zu kämpfen. Selbst wenn er bekennt, dass er sich bis heute nicht an den Polizeischutz gewöhnt hat, unter dem er seit Jahren aufgrund der Morddrohungen steht. "Dich muss man ausmerzen, du musst weg", hat er immer wieder zu hören bekommen.
Durch den alternativen Friedensnobelpreis, den "Dom Erwin", wie er in Brasilien genannt wird, gestern erhalten hat, fühlt er sich vor allem im Kampf gegen den Staudamm Belo Monte bestätigt. Ein Staudamm, den er als ökologischen Dolchstoß für den Amazonas bezeichnet. "Der Preis", sagt er, "ist zum rechten Zeitpunkt gekommen. Bis die Bagger kommen, leisten wir Widerstand."
Widerstand leistet der 71-Jährige seit Jahrzehnten. Widerstand gegen Großgrundbesitzer, die die Indios von ihren Gründen vertrieben, Widerstand gegen die Polizei, die bei Missbrauchsfällen von Mädchen erst ermittelten, als er sich einschaltete. Widerstand gegen Regierung und Unternehmer, wenn er die Rechte von Menschen bedroht sieht. Ein Bischof, der sieben Monate im Jahr im Jeep und im Boot unterwegs ist, um Dörfer am Amazonas zu besuchen. "Ein Bischof", sagt er, "gehört unter das Volk. Die Leute umarmen mich und ich sie." Und das ist für den Friedensobelpreisträger, wie er bekennt, "das Schönste, was ein Bischof erleben kann".
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Zur Person
Erwin Kräutler, geboren am 12. 7. 1939 in Koblach, Vorarlberg.
Karriere. Matura in Feldkirch, Eintritt in die Kongregation der Missionare vom Kostbaren Blut, Theologie-Studium in Salzburg. Seit 1964 Missionar in Brasilien. 1980 Nachfolger seines Onkels als Bischof von Xingu.











