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Zuletzt aktualisiert: 27.10.2010 um 17:30 UhrKommentare

Chiles oberster Kumpel

Staatspräsident Piñera harrte bis zum Schluss beim Rettungsschacht aus.

Sebastián Piñera mit einem der geretteten Bergmänner

Foto © ReutersSebastián Piñera mit einem der geretteten Bergmänner

Chile ist heute nicht mehr das gleiche Land wie vor 69 Tagen", sagte er gestern, und Sebastián Piñera sprach wohl auch über sich selbst. Das Unglück in der Mine von San José hatte nicht nur den Bergleuten und ihren Angehörigen viel abverlangt. Staatspräsident Piñera musste sich als Krisenmanager bewähren, und er schlug sich gut. Schon während der Bohrarbeiten reiste er mehrfach an die Unglücksstelle, tröstete die Verzweifelten, versprach Hilfe. Er entließ Beamte der Minenbehörde und drohte mit strafrechtlichen Konsequenzen. In den packenden Stunden, als die Verschütteten einer nach dem anderen wieder an die Erdoberfläche kamen, begrüßte er jeden Einzelnen persönlich. "Willkommen zurück im Leben", sagte der 60-Jährige. Und natürlich: "Es lebe Chile." Piñera war zur richtigen Zeit am richtigen Ort - und vor den Kameras. Und der vierfache Vater fand in den bewegenden Momenten die richtigen Worte.

Nicht alle hätten ihm das zugetraut. Piñera hat den Großteil seines Lebens als Ökonom und Manager zugebracht. In Berlusconi-Manier erwarb er Anteile an einem Fernsehsender ebenso wie an der größten chilenischen Fluglinie. Er zählt zu den 700 reichsten Menschen der Welt. Sein Geld machte er, wie Gegner bemängeln, nicht "mit seiner Hände Arbeit", sondern mit geschickten Finanzgeschäften, etwa der Einführung von Kreditkarten in Chile - zur Zeit der Pinochet-Diktatur. Doch Sebastián Piñera bewies schon damals politischen Spürsinn. Er sagte sich von Pinochet los und gilt heute als liberaler Rechter.

Dass so einer heuer zum Präsidenten Chiles gewählt wurde, schlug in Südamerika ein wie eine Bombe. Seit Jahren schwappt eine linke Welle über den Kontinent; linke und linkspopulistische Regierungen kamen an die Macht. Seit Piñera erklärte, Venezuela habe Probleme mit der Demokratie, gilt er als Anti-Chavez Südamerikas. Das hinderte ihn nicht, sich nach der Rettung eines bolivianischen Bergmannes auch mit Evo Morales, Boliviens sozialistischem Präsidenten, zu verbrüdern. Am Rande eines Bohrlochs lassen sich offenbar ideologische Gräben überwinden.

NINA KOREN

Zur Person

Miguel Juan Sebastián Piñera Echeñique, geboren am 1. Dezember 1949 in Santiago.

Werdegang: Studium der Wirtschaftswissenschaften. 1990 bis 1998 Senator. 2005 scheiterte seine erste Präsidentschaftskandidatur. Seit 11. März 2010 Staatspräsident Chiles.

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