Mister zehn Prozent
Pakistans Präsident Zardari fühlt sich für die Flutkatastrophe in seinem Heimatland nicht zuständig. Der Witwer der früheren Regierungschefin Benazir Bhutto macht politisch keine gute Figur.

Foto © APAsif Ali Zardari
Die Optik könnte schlechter nicht sein: Während in Pakistan das Hochwasser steigt und steigt, während Tausende sterben und 20 Millionen Menschen ihr Obdach verlieren, reist der Staatspräsident entspannt durch Großbritannien. Kein Wunder, dass ein Exil-Pakistani Asif Ali Zardari wütend mit Schuhen bewarf - in der muslimischen Welt Ausdruck äußerster Geringschätzung.
Dass der Präsident, nicht ohne vor der Heimkehr noch einen Abstecher in Syrien einzulegen, jetzt doch noch in den Fluten Tatkraft demonstriert, wird ihm in den Augen seiner empörten Landsleute wohl auch nicht mehr viel nützen. "Ich habe in der Vergangenheit Teile meiner Macht an den Premierminister abgegeben", sagte der 54-Jährige schulterzuckend. Der kümmere sich nun um die Flutkatastrophe.
Dennoch steckt in der Aussage einer der wenigen Punkte, die man dem Witwer der 2007 ermordeten früheren Regierungschefin Benazir Bhutto zugute halten muss. Um sein Land zu demokratisieren, trieb er Verfassungsänderungen voran, die das von ihm besetzte Amt eines Präsidenten, der über die Vollmachten eines Diktators verfügte, in jenes eines vorwiegend repräsentativen Staatsoberhauptes verwandelte.
Ansonsten ist wenig Positives über Zardari bekannt. Als Spross einer reichen Landbesitzer-Dynastie hat er nach Meinung vieler seinen politischen Aufstieg dem seiner Ehefrau zu verdanken. In ihrer Amtszeit übernahm er mehrere Ämter. Aus jener Zeit stammt auch der Beiname "Mister zehn Prozent": Zardari soll bei öffentlichen Aufträgen kräftig mitkassiert haben. Insgesamt verbrachte er elf Jahre im Gefängnis. Die Anschuldigungen reichten von Korruption bis zu Erpressung und Mord. Seine Nichte Fatima beschuldigt ihn, hinter dem Tod ihres Vaters zu stecken, der auf offener Straße erschossen wurde.
Zardari selbst weist alle Vorwürfe als politisch motivierte Verleumdung zurück. Er will auf alle Fälle die Fäden der Macht in der Hand behalten, bis sein Sohn Bilawal Bhutto das Studium in Oxford beendet hat: Sofern der Vater bis dahin nicht alles Polit-Kapital der Bhuttos verspielt, soll Bilawal in die Fußstapfen seiner Mutter treten.
Features
Zur Person
Asif Ali Zardari, geboren am 21. Juli 1956.
Werdegang: 1987 Heirat mit Benazir Bhutto. Mehrere Ministerämter während der Amtszeit seiner Frau. Wegen verschiedenster Anklagen inhaftiert. Seit September 2008 Staatspräsident Pakistans.











