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  • 01. August 2014 07:46 Uhr | Als Startseite
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    Zuletzt aktualisiert: 20.10.2012 um 05:10 UhrKommentare

    Rot und Grün gegen Blau

    Rot und Grün legen sich heute auf ihre Spitzenkandidaten für die Landtagswahl fest: Peter Kaiser und Rolf Holub. Die beiden wollen die blaue Mehrheit im Land brechen. Wie groß sind ihre Chancen? Vier Polit-Experten analysieren. Von Wolfgang Rössler.

    Holub und Kaiser

    Foto © Kleine Zeitung/Helmuth Weichselbraun, Markus TraussnigHolub und Kaiser

    Peter Kaiser (SPÖ)


    Gesamteindruck: Vornehm und seriös

    Wer ist Peter Kaiser, was will er? "Er hat sich persönlich bisher kaum positioniert", sagt Politikberater Thomas Hofer. "Vornehm und zurückhaltend" sei der SPÖ-Chef, selbst bei harten politischen Diskussionen. Kaiser genießt auch außerhalb Kärntens Ansehen, er gilt als "integrer Sachpolitiker mit intaktem Wertegerüst" (Peter Hajek). Selbst politische Gegner gestehen ihm fachliche Kompetenz zu, als Parteichef hat er keine schlechte Figur gemacht.

    Strategie: Stärken ausspielen

    Peter Kaiser sei "nicht der klassische Volkstribun", attestiert Peter Hajek. "Das muss aber kein Manko sein, es erfordert nur eine andere Positionierung." Notwendig sei ein Wahlkampf, der auf die Stärken den Spitzenkandidaten zugeschnitten ist: Berechenbarkeit, Seriosität. Die Botschaft müsse sein: "Wir wollen Kärnten sanieren, weil wir uns auskennen, weil wir nicht korrupt sind", rät Hajek. Am 3. März stünden weniger die Parteien zur Auswahl, vielmehr Personen: Peter Kaiser gegen Gerhard Dörfler. Dem stimmt Politikberater Thomas Hofer zu: "Kaiser muss sich als staatsmännische Alternative positionieren."

    Schwächen: Das Sprühende fehlt

    Peter Kaiser ist klug, keine Frage. "Aber es ist leichter, den Verstand der Menschen zu gewinnen, als ihre Herzen", sagt Katharina Stainer-Hämmerle. Gar zu "spröde" würde der Politiker auftreten. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung über die Politik der FPK könne er nicht verwandeln: "Er hat einen aufgelegten Elfmeter und kann ihn nicht nutzen." Sie vermisst bei ihm den Siegeswillen. Stainer-Hämmerle: "Kaiser vermittelt nicht, dass er Landeshauptmann werden will." Auch Peter Plaikner urteilt wenig charmant: "Ihm fehlt das Sprühende."

    Chancen: Die neue Ernsthaftigkeit

    Kann unaufgeregte Seriosität ein Vorteil sein? Und das noch dazu in Kärnten? Ja, glaubt Peter Plaikner. Gerade in Kärnten. Er ortet eine Sehnsucht nach neuer Ernsthaftigkeit abseits populistischer Versprechungen. "Peter Kaiser verkörpert den Typus des nachdenklichen Sachpolitikers. Damit hat er mehr Chancen, als man glaubt." Ähnlich sieht das Kathrin Stainer-Hämmerle: "Kaiser ist kein Marktschreier, das wird positiv sein. Die Kärntner wollen eher keine Stammtischpolitiker mehr haben", glaubt sie. Kaiser habe zudem in der Vergangenheit strategisches Geschick bewiesen und seine Partei in ein ruhigeres Fahrwasser gebracht: Als Parteichef ist Kaiser weitgehend unumstritten, "die Bürgermeister sind ruhig", sagt Stainer-Hämmerle. Sollte er gestärkt aus dem Parteitag herausgehen und in Zukunft mehr Siegeswillen zeigen, "dann schafft er es vielleicht."



    Rolf Holub (Grüne)


    Gesamteindruck: Aufdecker mit Stammtischqualität

    Den Kabarettisten hat er zwar noch nicht vollends abgelegt, aber auf ein vernünftiges Maß zurückgeschraubt. Inzwischen habe sich Rolf Holub auch "außerhalb grüner Kernschichten einen sehr guten Namen gemacht", lobt Politikexperte Peter Hajek. Zudem beweise der Grüne Stammtischqualitäten, "er kann mit Menschen sehr gut umgehen". Katharina Stainer-Hämmerle attestiert Holub "menschliche Größe", weil er nach Aufplatzen der von ihm mit aufgedeckten Skandale "nicht in Triumphgeheul ausgebrochen ist." Man merke ihm an, sagt Stainer-Hämmerle, "dass er sich wohlfühlt". Auch der Politikberater Thomas Hofer stimmt ein: "Zur Wahl 2009 ist Holub als Aufdecker angetreten. Und er hat danach geliefert."

    Strategie: Erste Reihe fußfrei

    Viel kann Rolf Holub im Wahlkampf wohl nicht falsch machen, glaubt Katharina Stainer-Hämmerle. Seit er im Hypo-U-Ausschuss Aufdeckerqualitäten bewiesen hat, sei er ein "Politstar". Damit ließe sich bequem wahlkämpfen, als Kleinpartei könnten die Grünen fast nur gewinnen. Eine Gefahr sieht Stainer-Hämmerle aber in den allzu günstigen Umfragewerten. Hier gelte es, am Boden zu bleiben. Kritischer urteilt Peter Plaikner: "Holub darf sich nicht auf seine weiße Weste verlassen. Das grüne Programm muss mit Inhalten aufmunitioniert werden."

    Schwächen: Ein-Thema-Politiker

    Dass Rolf Holub kurz nach der Landtagswahl 2009 einer klammheimlichen Erhöhung der öffentlichen Parteienförderung zugestimmt hat, "das wird ihm noch lange nachhängen", sagt Katharina Stainer-Hämmerle. Politikberater Thomas Hofer bemängelt auch eine thematische Verengung der Grünen unter Holubs Obmannschaft. Holub verstünde sich als Aufdecker, "er hat ein Thema, darüber hinaus ist er thematisch nicht so breit aufgestellt."

    Chancen: Die Sensation ist in Reichweite

    Chancen: Die Sensation ist in Reichweite Bei der Landtagswahl 2009 bekamen die Grünen magere fünf Prozent. Eine Verdoppelung der Stimmen im März ist in Reichweite und wäre "dennoch eine Sensation", wie Thomas Hofer sagt: "Auf den letzten Metern ist es immer schwierig." Mit Holub an der Spitze haben die Grünen erstmals Chancen auf ein Regierungsamt, das ihnen dann laut Proporzregelung zustehen würde. In den vergangenen Monaten hat Holub Bonuspunkte bei vielen Nicht-Grünwählern gesammelt, aber: Werden sie ihn auch wählen? "Grüne Inhalte sind auch bundesweit immer noch ein Minderheitenprogramm. Und Kärnten ist schon sehr konservativ", warnt Politologin Stainer-Hämmerle.

    WOLFGANG RÖSSLER

    Die Experten

    Kathrin Stainer-Hämmerle. Die Politologin lehrt, nach Stationen in Innsbruck und an der Alpen-Adria-Uni an der Fachhochschule Kärnten.

    Peter Plaikner. Der ehemalige Journalist, Medien- und Kommunikationsspezialist ist Lehrgangsmanager an der Donau-Universität Krems.

    Thomas Hofer. Der Lobbyist und Politikberater hält Lehrgänge über Journalismus und Medienmanagement an der Uni Wien und an der FH Wien.

    Peter Hajek. Der Politikwissenschaftler und Meinungsforscher leitet das Institut für "Public Opinion Strategies". Lehraufträge in Wien und Klagenfurt.

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