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Zuletzt aktualisiert: 26.08.2012 um 05:10 UhrKommentare

Bischof Alois Schwarz: "Jetzt kommt Manches ans Licht"

Bischof Alois Schwarz über ethische Werte, Neuwahlen und neue Politiker für Kärnten. Die Haider-Gedenkstätte in Lambichl bezeichnet er als "eine Inszenierung".

Bischof Alois Schwarz

Foto © EggenbergerBischof Alois Schwarz

Ein lähmender Nebel liegt über dem Land, mit undurchschaubaren Vorgängen. Im Land herrschen Unübersichtlichkeit, Orientierungs- und Hoffnungslosigkeit." So kritisierten Sie bereits vor zwei Jahren die Kärntner Politik.

ALOIS SCHWARZ: Für dieses "Nebelwort" wurde ich von manchen Politikern sehr kritisiert. Jetzt kommt manches ans Licht, worauf ich angespielt habe, und wird von den Gerichten geklärt.

Welche Vorgänge haben Sie mit Unbehagen erfüllt?

SCHWARZ: Der Umgang mit Geld, der respektlose Sprachstil bei politischen Aussagen.

Sie meinten damals, das Wertegefüge in der Kärntner Politik sei aus dem Lot geraten. Wo genau?

SCHWARZ: Werte wie Vertrauen, Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit. Wenn man etwas nicht durchsetzte, machte man einfach neue Regeln. Dass das bei uns passiert ist, hat mich mit tiefer Trauer erfüllt, weil es einen christlichen Wertekonsens in diesem Land mit vielen Christen gibt. Ich habe mich selbstkritisch gefragt, ob der nicht stark genug ist, um persönlichkeitsbildend zu sein.

Wir reden vom Verfall, den Kardinal Christoph Schönborn so beschrieb: Anstand und Scham gehen in der Politik verloren. Wenn es keinen Genierer mehr gibt, geht die Demokratie den Bach hinunter.

SCHWARZ: Es geht nicht nur um Anstand, sondern auch um die Verantwortung des Einzelnen vor Gott und den Mitmenschen, deren Würde zu respektieren ist. Es darf auch nicht sein, dass friedliche Demonstranten verspottet werden. Wir dürfen nicht zulassen, dass sich in Kärnten ein Klima der Repression ausbreitet.

Die Verantwortung des Einzelnen fordert Papst Benedikt XVI. für das Gemeinwohl mit dem Zusatz ein, dass das einen ethischen Rahmen brauche. Welchen?

SCHWARZ: Es gibt einen ethischen Grundkonsens durch die Vorgabe der Bibel, durch Jesus verstärkt in der Bergpredigt, sowie durch den Humanismus und die Aufklärung in Europa was die Menschlichkeit betrifft - eine europäische Prägung des Menschseins und Lebens in Würde.

Dazu gehört der Respekt in der Sprache. Als Sie sich gegen Gesetzesbruch bei den Ortstafeln wandten, hat Jörg Haider Sie als Friedensbrecher beschimpft. Wurde Aggression gezielt kultiviert?

SCHWARZ: Es wurden Schranken überschritten. Wenn Verantwortungsträger respektlos sind, sagen die Leute, dann dürfen wir das auch. Die Vorbildwirkung ist zu wenig erkannt worden.

Hier sind aber, wie im Fall Birnbacher und Martinz, die Schranken bis hin zur Veruntreuung des Steuergeldes gefallen. Das ist ja nicht bloß mit den Unsitten der Finanzmärkte eingesickert, oder?

SCHWARZ: Wir leben in einer Zeit, in der vieles nur am Geldwert gemessen wird. Länder werden von Ratingagenturen nur nach ihrer Finanzkraft beurteilt, nicht nach Parametern wie soziale Sicherheit oder Bewahrung der Schöpfung. Das Geld hat eine solche Macht erhalten, dass manche meinen, Geld als Machtinstrument einsetzen zu können.

Nach dem Motto "eine Hand wäscht die andere". Das wird auch der Skulptur "Haiders Hände" vor dem Gurker Dom zugeschrieben. Sollte sie da nicht weg?

SCHWARZ: Man musste es mit Verärgerung zur Kenntnis nehmen, dass sie auf öffentlichem Grund vor dem Gurker Dom aufgestellt wurde. Die Skulptur wird vielleicht im Laufe der Geschichte einmal einen anderen Platz haben. Der Gurker Dom mit seiner jahrhundertelangen Ausstrahlungskraft steht in jeder Hinsicht drüber.

Hinterfragen Sie nicht auch den Haider-Gedenkkult in Lambichl?

SCHWARZ: Dort ist an sich eine Gedenkstätte, wie es eigentlich viele in unserem Land gibt, wenn jemand stirbt und die Leute an diesem Ort ein Zeichen setzen, ein Kreuz aufstellen. Was jedoch dort in Lambichl passiert, geht über das in unserem Land übliche Maß hinaus und löst einen Kult aus, der den Formen der Pietät der Kärntnerinnen und Kärntner eigentlich nicht entspricht. Diese Gedenkstätte ist eine Inszenierung.

In Kärnten wird viel zu oft nach rückwärts geschaut. Brauchen wir nicht gerade jetzt den Blick nach vorne, auf Neues?

SCHWARZ: In Kärnten brauchen wir einen neuen Blick auf das Miteinander. Wir müssen weg davon, dass jeder nur auf sich selbst schaut. Mein Appell an die Verantwortungsträger lautet: Einsicht und Bereitschaft zur Veränderung sind Voraussetzungen für einen Neustart. Auf den Augenblick, die schöne Landschaft, oder darauf zu schauen, dass es einem gut geht, ist zu wenig. Es braucht eine Anstrengung der Herzenskraft und der Intelligenz, um das Leben auf die Zukunft hin zu gestalten, christlich über das Diesseits hinaus. Die Kärntner haben einen Blick für Transzendenz, für das, was Ewigkeitswert hat.

Kärnten hat jetzt den schwarzen Peter. Es muss neu gemischt werden, Thema Wahlen. Der evangelische Superintendent geriet in FPK-Kritik, weil er rasche Neuwahlen verlangte. Was sagen Sie?

SCHWARZ: Ich will kein Oberlehrer sein, ich mache keine Politik und keine Wahltermine. Die große Herausforderung für Kärnten ist jetzt: Wer ist bereit, den ehrenvollen Dienst des Politikers an der Gesellschaft zu leisten?

Sie gaben eine Job-Beschreibung vor, die vor 50 Jahren das Zweite Vatikanische Konzil formulierte: Politiker sollten unter Zurücksetzung des eigenen Vorteils und materiellen Gewinns handeln.

SCHWARZ: Es gibt sehr viele ehrenvolle Leute mit Charakter, die integer, erfolgreich und anerkannt sind, die man als Politikerinnen und Politiker für das Allgemeinwohl gewinnen sollte.

Welche Signale des Vertrauens können dieses wieder stärken?

SCHWARZ: Dass die Menschen zeigen, dass sie ihre Heimat lieben und sie solidarisch auf die Zukunft hin gestalten. Wer im Nebel unterwegs ist, darf das Vertrauen nicht verlieren, dass die Sonne trotzdem scheint.

Und nicht vom Himmel fiel.

SCHWARZ: Das glaube ich eben nicht, dass sie vom Himmel fiel.

ADOLF WINKLER

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