Spindelegger stellte das neue ÖVP-Team vor
Dass der Bauernbund gleich mehrere Posten im Team der ÖVP verloren hat, wollte Spindelegger nicht direkt kommentieren - sein künftiges Team lobte er dafür über den grünen Klee.

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Die ÖVP hat sechs Tage nach dem gesundheitsbedingten Rücktritt von Parteichef und Vizekanzler Josef Pröll ein neues Team. Der designierte Parteiobmann Michael Spindelegger wartete am Dienstag mit gleich drei Überraschungen auf. Der Innsbrucker Uni-Rektor Karlheinz Töchterle, der einst für die Grünen kandidierte, wird Wissenschaftsminister und löst Beatrix Karl ab, die stattdessen Justizministerin wird. Als Staatssekretäre kommen als Quereinsteiger der Chef des Museumsquartiers, Wolfgang Waldner, ins Außenamt und der Obmann der Jungen ÖVP, Sebastian Kurz, dem mit nur 24 Jahren die Integrationsagenden im Innenressort übertragen werden.
Lopatka im Nationalrat?
Kurz' Chefin im Innenministerium wird wie erwartet die niederösterreichische Landesrätin Johanna Mikl-Leitner, die auf Maria Fekter folgt, die statt Pröll das Finanzressort übernimmt. Ihre Posten behalten Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich und Wirtschafts- und Familienminister Reinhold Mitterlehner, wobei sich in Familienangelegenheiten künftig auch Spindelegger selbst einbringen und diese "zur Chefsache" machen will. Die bisher für diesen Bereich zuständige Staatssekretärin Verena Remler scheidet ebenso aus wie Finanzstaatssekretär Reinhold Lopatka, der wahrscheinlich in den Nationalrat zurückkehrt. Ebenfalls weg ist Justizministerin Claudia Bandion-Ortner.
Fix ist auch die Rollenverteilung in Partei und Klub. Neuer Generalsekretär wird Hannes Rauch, bisher Hauptgeschäftsführer der Tiroler Volkspartei und nun Nachfolger des Pröll-Vertrauten Fritz Kaltenegger, der in die Privatwirtschaft wechseln wird. Im Klub gibt es laut Spindelegger keine Änderung, die Fraktion wird damit unverändert von Karlheinz Kopf angeführt. Als großer Verlierer bei der Regierungsbildung gilt der Bauernbund, der nach dem Abgang Prölls und Kalteneggers nur noch mit Berlakovich in der Regierung vertreten ist. Bauernbund-Präsident Fritz Grillitsch, der eine stärkere Repräsentation erhofft hatte, meinte nach der entscheidenden Vorstandssitzung knapp, Spindeleggers Entscheidung sei "zu akzeptieren".
Deutlicher seinen Unmut zum Ausdruck brachte der steirische Landesobmann Hermann Schützenhöfer, der sich einen Verbleib Lopatkas gewünscht hätte. Wenn Spindelegger glaube, mit dem Team sein Ziel Platz 1 bei der Nationalratswahl 2013 zu erreichen, solle ihm das auch recht sein, gab sich Schützenhöfer distanziert. Der neue ÖVP-Chef selbst konzedierte, er wisse, "dass viele nicht zufrieden sind". Aber man habe ihm das Pouvoir gegeben, sich sein Team auszusuchen und das habe er genützt, um mit "handverlesenen Persönlichkeiten" neu zu starten. Bedenken, dass Kurz für den heiklen neuen Job als Integrationsstaatssekretär zu jung sein könnte, wischte Spindelegger vom Tisch. Gerade das sei dessen Chance, umso mehr als Kurz im urbanen Raum groß geworden sei und daher wisse, was Interkulturalität bedeute. Von Waldner erhofft sich der Außenminister, dass der seine Kontakte in die Kulturszene weiterknüpft und dass er ein Staatssekretär wird, "der die Koffer ständig gepackt hat", da er ihn wohl des öfteren als Vertreter brauchen werde.
"Hardlinerin" Mikl-Leitner
Im Innenministerium ist wohl weiter ein eher restriktiver Kurs zu erwarten, würdigte Spindelegger doch, dass Mikl-Leitner die entsprechende Härte für ihre Aufgabe mitbringe. Von Fekter verspricht sich der neue Parteichef einen Abbau des Schuldenbergs, von Karl Maßnahmen gegen Korruption. Was die neuen Ressortchefs und Staatssekretäre selbst planen, blieb am Dienstag noch verborgen. Öffentliche Aussagen soll es erst nach der Angelobung geben - und die ist für Donnerstagvormittag vorgesehen.
Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) begrüßte die rasche Regierungsumbildung auf Seiten des Koalitionspartners und meinte, damit werde "gewährleistet, dass wir unsere Arbeit im Interesse der Stabilität Österreichs fortsetzen können". Die SPÖ hat keine Einwände gegen die Personalveränderungen des Regierungspartners.
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Wer, bitte?
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Spindeleggers Team
- Wolfgang Waldner: Außen (Staatssekretär)
- Johanna Mikl-Leitner: Innen
- Sebastian Kurz: Integration (Staatssekretär)
- Beatrix Karl: Justiz
- Maria Fekter: Finanzen
- Karlheinz Töchterle: Wissenschaft
- Nikolaus Berlakovich: Landwirtschaft/Umwelt
- Reinhold Mitterlehner: Wirtschaft
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Kann jeder Politiker in jedem Ressort arbeiten? Politiologe Thomas Hofer über die munteren Wechsel in der ÖVP
18. Vize
Der designierte ÖVP-Obmann Michael Spindelegger wird der 18. Vizekanzler der Zweiten Republik. Als solcher ist er laut Verfassung zur Vertretung des Bundeskanzlers in dessen gesamtem Wirkungsbereich berufen.
Er kann, muss aber nicht ein eigenes Ressort haben. Spindelegger bleibt Außenminister, seine beiden Vorgänger Wilhelm Molterer und Josef Pröll waren Finanzminister.
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Erste Finanzministerin
Mit Maria Fekter zieht erstmals eine Frau als Ressortchefin ins Finanzministerium ein, insgesamt ist sie die 19. Finanzministerin der Zweiten Republik. Fekter ist nun die vierte Ministerin der ÖVP in Folge, die seit 2003 das Ressort führt. Zuvor war das Ressort 30 Jahre lang in der Hand der SPÖ.









