Ein "Staatsmann" hält eine "Standpauke"
Die heimischen Kommentatoren haben in den Donnerstagausgaben großteils positiv auf die Abschiedsrede von ÖVP-Chef Vizekanzler Josef Pröll reagiert. Manche betonten aber, dass Pröll auch selbst Schuld an dem von ihm kritisierten "Stillstand" hat. Im Folgenden weitere Pressestimmen.

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Pröll habe volksnah und dialogbereit agiert und habe "absolute Handschlagqualität" gehabt. Trotzdem falle seine Bilanz zwiespältig aus, denn er habe viele Höhen, zuletzt aber auch extreme Tiefen erlebt, schreibt Alois Vahrner in der "Tiroler Tageszeitung". Prölls Nachfolger stehe vor einer "Herkules-Aufgabe", nämlich in der "schwer taumelnden Partei" für Ordnung zu sorgen.
"Herr Pröll, es ist schade, dass Sie gehen", findet "Heute"-Chefredakteur Wolfgang Ainetter. Pröll sei mehr gewesen als ein Politiker, er sei ein "Staatsmann" gewesen. Die "Standpauke", die er seiner Partei zum Abschied gehalten habe, werde in die Geschichte eingehen. "Josef Pröll ging es um die Sache. Inhalte waren ihm wichtiger als Machtgeplänkel. Das hat ihn von der großen Mehrheit der Politiker unterschieden."
"Regelrecht aufgeopfert"
Für "Österreich"-Herausgeber Wolfgang Fellner zeigt Prölls Beispiel: "Politik ist - Gott sei Dank - nicht alles im Leben. Familie und Gesundheit sind wichtiger. Ein bisschen mehr Menschlichkeit in der Politik täte uns allen gut." Pröll habe sich in seinem Job als Finanzminister für Österreich "regelrecht aufgeopfert". Er habe die "irrwitzige Vorstellung" gehabt, neben Parteichef und Vizekanzler auch noch das "arbeitsintensivste Finanzministerium" zu führen. Während seiner Arbeit in Europa seien ihm aber innenpolitisch immer mehr Fehler passiert. "Jetzt muss die ÖVP einen Neustart wagen. Das wird schwierig. Weit und breit ist in der ÖVP kein Politiker in Sicht, der Josef Pröll in Popularität, Ausstrahlung das Wasser reichen kann."
Die Krankheit habe Pröll einen milden Abgang beschert, schreibt Thomas Götz in der "Kleinen Zeitung". "Noch einmal durfte der scheidende ÖVP-Chef eine Leistungsbilanz vorlegen, die bereinigt war von allem, was er selbst zum Niedergang der Partei beigetragen hat. Fragen waren nicht zugelassen, als wäre es ein Sakrileg, das bewegende Abschiedswort in Zweifel zu ziehen." Am Stillstand, den Pröll beklagte, habe er persönlich Schuld: "Statt Visionen vorzugeben, hat er sich trotzig gegen die des Koalitionspartners zur Wehr gesetzt."
Viel gesagt in wenigen Sätzen
"Weiter, weiter, weiter, Gefahren verdrängen, keine Schwächen zeigen, diesem Verhaltensmuster folgen die meisten Vollblutpolitiker selbst dann, wenn ihre Gesundheit auf dem Spiel steht. Dass Pröll mit diesem Muster gebrochen und sich für Familie, Genesung und Lebensqualität entschieden hat, verdient Respekt", meint Wolfgang Braun in den "Oberösterreichischen Nachrichten". Mit seiner Rede habe Pröll "bewiesen, dass man auch mit wenigen Sätzen viel sagen kann, wenn man bereit ist, eine deutliche Sprache zu sprechen".
"Es war nicht nur ein bemerkenswerter Auftritt, es war auch eine bemerkenswerte Analyse, die Josef Pröll zum Abgang seinen Zuhörern bot", findet Andreas Koller in den "Salzburger Nachrichten". Man habe den Eindruck gehabt, "hier geht einer nicht nur, weil er den mörderischen Anforderungen des Politikerberufs körperlich nicht mehr gewachsen ist. Sondern auch, weil er von den Begleitumständen dieses Jobs die Nase voll hat". Die ÖVP stecke in einer "lebensbedrohenden Krise, und die Ärzte stehen ratlos um ihr Krankenbett". Pröll habe in seiner Rücktrittsrede Stillstand und einen Mangel an Anstand beklagt - "die Einsicht kommt spät, zu spät", meint Ralf Mosser in der "Kärntner Tageszeitung". Als Vizekanzler habe er maßgeblich zum "Stillstand" in der Politik beigetragen.








