Das Private dominiert das Politische
Das Arbeitstier Josef Pröll (42) flüchtet in die politische Hacklerpension: Ein Porträt.

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Als Neffe kam er in die Politik, als Ehemann und Vater verlässt er sie nun: Bei Josef Pröll war oft das Familiäre ein dominanter Treiber der Biografie. Die Sorge seiner Frau und der drei Kinder um seine Gesundheit lag in den letzten Tagen bleischwer in der Waagschale, bis endlich das Zünglein vom Politischen wieder ins Private wies.
Ehefrau Gabi, eine resche Tirolerin, die er seit Studententagen an der Uni für Bodenkultur kennt, hatte seit Prölls Lungeninfarkt am 18. März eisern Regie geführt. Der Patient wurde von der Öffentlichkeit abgeschottet und ins Kurhotel abkommandiert. Schon in früheren Jahren hatte sie erfolglos Diät und gesündere Lebensführung eingemahnt, nun wollten beide zu Recht nichts mehr riskieren.
Pröll, der Bauernsohn aus dem niederösterreichischen Weinbauort Radlbrunn, verband seine bäuerliche Erdung immer mit einer gehörigen Portion Lebenslust. Das dürfte ihm in den ersten Jahren in der Politik noch leichter gefallen sein: Zuerst ab 2003 als Landwirtschafts- und dann als Umweltminister spürte er Rückenwind, weil Partei und Medien rasch das Potenzial des Newcomers entdeckten. Doch die Gezeiten wurden rauer. Als Vizekanzler, Parteichef und Finanzminister in Personalunion zerschellte Pröll an einer unlösbaren Aufgabe, zumal die Finanzkrise das Arbeitspensum ins Unermessliche verschob.
Als die Umfragen schlechter, die innerparteilichen Probleme größer und die Beliebtheitswerte schlechter wurden, blieb zuletzt nur noch jene herzliche, quirlige, scheinbar kraftstrotzende Fröhlichkeit, die Prölls spezifischen Habitus ausmachte. Doch hinter der Fassade des sprühenden Schnellredners verbarg sich ein rastloser, empfindlicher, auch verwundbarer Mensch. Der Elan der frühen Tage war ohne greifbare Erfolge verpufft. Das Arbeitstier muss schon mit 42 in die politische Hacklerpension.
So bleibt am Ende die bittere Ironie, dass jener Mann, dem alle Welt das Kanzleramt zutraute, nicht eine einzige Wahl als Spitzenkandidat schlug. Die bunte Fata Morgana ist vorbei. Jetzt übernehmen in der ÖVP wieder die Molterer-Typen das Ruder.
Features
Steckbrief
Josef Pröll, geboren am 14. 9. 1968 in Stockerau (NÖ).
Karriere: Studium der Agrarökonomie. Eintritt in den Bauernbund, bald Kabinettschef bei Minister Wilhelm Molterer. Ab 2003 Landwirtschafts-, dann Umweltminister. 2008 VP-Chef, Vizekanzler, Finanzminister.








