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Zuletzt aktualisiert: 01.06.2012 um 20:58 UhrKommentare

Für Arbeit zu krank, für Disco topfit

Facebook-Fotos eines Disco-Besuchs entlarvten den Krankenstandsmissbrauch einer Linzer Kellnerin. Diese Bilder ergänzte sie mit Postings, wonach "Alkohol grausam sei" bzw. sie "nie mehr fortgehen" werde. Laut der Wirtschaftskammer Oberösterreich ist das ein Klassiker.

Heiße Disconächte mit Foto können Folgen haben (Symbolbild)

Foto © KANIZAJHeiße Disconächte mit Foto können Folgen haben (Symbolbild)

Dumm gelaufen, könnte man da sagen, was da einer jungen Dame passiert ist. Denn Ende April kam die Kellnerin, die in einem Linzer Gastronomiebetrieb beschäftigt ist, zu spät zur Arbeit. Als sie von ihrem Vorgesetzten darauf angesprochen wurde, sagte sie: "Ihr könnt mich alle und außerdem habe ich zu Hause den Elektriker." Und verließ das Lokal.

Eine Stunde später traf dann per SMS ihre Krankmeldung ein, kurz darauf ihre Arbeitsunfähigkeitsbestätigung von einem praktischen Arzt aus Linz. "Diese Vorgangsweise ist vielen Unternehmern nur zu gut bekannt - sozusagen ein Klassiker, der vom Arbeitgeber nicht nur Flexibilität fordert, sondern natürlich auch die volle Entgeltfortzahlung auslöst", bemerkt dazu die Wirtschaftskammer Oberösterreich.

Krank in die Disco

Aufgrund der Intervention der Wirtschaftskammer wurde die Kellnerin in der Folge zum Chefarzt der Gebietskrankenkasse vorgeladen, der sie untersuchte, ebenfalls für krank befand - und bis Anfang Mai krankschrieb.

Doch noch vor Ende des Krankenstandes besuchte die "Patientin" ein bekanntes Tanzlokal in Linz und ließ sich dort im Kreis ihrer Freundinnen auch noch mehrfach fotografieren. Kurz darauf waren diese Fotos bereits via Facebook zu sehen und die offenbar bestens gelaunte, aber noch immer kranke Kellnerin ergänzte ihre Zechtour noch mit einem persönlichen Facebook-Posting, wonach "Alkohol grausam sei" bzw. sie "nie mehr fortgehen" werde. "Ein klassischer Krankenstandsmissbrauch, durch Facebook sorgfältig dokumentiert und an Unverfrorenheit kaum noch zu überbieten", äußert sich dazu die Wirtschaftskammer.

Gemeinsam mit dem Arbeitgeber rollte die WK Oberösterreich diesen Fall auf und wird nun Sozialmissbrauch ähnlicher Art künftig regelmäßig öffentlich machen. "234.000 allein in Oberösterreich missbräuchlich in Anspruch genommene Krankenstandstage pro Jahr sind keine Kleinigkeit", kritisiert Rudolf Trauner, Präsident der WK Oberösterreich. "Das ist vorsätzlicher Betrug am Arbeitgeber, aber auch gegenüber jenen vielen seriösen Arbeitnehmern, für die ein Krankenstand stets der letzte Ausweg ist."

Häufiger krank zur Arbeit

"Zum konkreten Fall kann ich nichts sagen, da ich den Sachverhalt auch nur aus der Aussendung der Wirtschaftskammer kenne", nimmt Bernhard Achitz, leitender Sekretär des ÖGB, zum Thema Stellung. "Grundsätzlich muss man aber sagen, dass so etwas in Einzelfällen wirklich vorkommen kann. Doch in jedem Fall haben Ärzte den Krankenstand zu beurteilen - und die machen im Regelfall ihren Job auch sehr ordentlich. Ich glaube aber, dass es viel häufiger vorkommt, dass Arbeitnehmer krank zur Arbeit gehen."

ROBERT ENGELE

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