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Zuletzt aktualisiert: 08.02.2012 um 14:17 UhrKommentare

Pension: EU will das Antrittsalter anheben

Angesichts klammer Staatskassen in der EU rückt das Thema Pensionen in den Fokus der Kommission. Das Antrittsalter soll angehoben werden. Ein heute 20-Jähriger soll bis zu seinem 72. Lebensjahr arbeiten müssen.

Foto © Bilderbox

Die Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters wird immer mehr zu einem prioritären Thema auch in der EU. Nachdem der schwedische Ministerpräsident Frederik Reinfeldt zuletzt mit der Aussage aufhorchen ließ, dass seine Landsleute erst mit 75 Jahren in Pension gehen könnten, will EU-Sozialkommissar Laszlo Andor nächste Woche ein Weißbuch für "angemessene, sichere und nachhaltige Pensionen" präsentieren, indem eine Erhöhung um sieben Jahre bis 2060 als Möglichkeit genannt wird.

Laut "WirtschaftsBlatt" heißt es in dem Entwurf des Papiers, es sei "dringender denn je" sei, die Pensionssysteme an die wirtschaftlichen und demografischen Veränderungen anzupassen". Bis 2060 könnte sich die Lebenserwartung um "fünf bis sieben Jahre" erhöhen, das Pensionsalter sei "an den Zuwachs der Lebenserwartung anzupassen". Bis dahin liegt das Rentenalter in Österreich für Männer und Frauen bei 65 Jahren - plus sieben Jahre würde ein Pensionsantrittsalter von 72 Jahren bedeuten.

Zuviele Frühpensionen

Gleichzeitig soll der Zugang zur Frühpensionen und anderen vorzeitigen Ausstiegsszenarien eingeschränkt werden, heißt es in Andors Papier. Gemeinsam mit Belgien, Frankreich und Luxemburg wird Österreich als EU-Land genannt, wo wegen zu vieler Frühpensionen Handlungsbedarf besteht. Der Zugang zur "Hacklerregelung" müsse beschränkt, die Übergangszeit für die Angleichung des gesetzlichen Pensionsalters von Männern und Frauen (bis 2033) reduziert werden. Die Bedingungen für die Invaliditätspension müssten strikt angewendet werden. Nötig sei die Anpassung der Pensionen an das steigende Lebensalter, weil die Pensionssysteme für die in der Krise ohnehin klammen Staatsbudgets sonst unleistbar würden. Schon heute kosten sie im EU-Schnitt gut zehn Prozent des BIP, für 2060 lauten die Prognosen ohne Reformen auf durchschnittlich 12,5 Prozent. Durch die längere Lebensarbeitszeit könnten zudem Pensionskürzungen vermieden oder sogar ins Gegenteil verkehrt werden.

Das gesetzliche Pensionsantrittsalter für Männer liegt in 15 der 27 EU-Ländern bei 65 Jahren. Nur Frankreich scherte bisher mit 60 Jahren deutlich nach unten aus, doch kündigte die Regierung zuletzt eine Anhebung um zwei auf 62 Jahre an, allerdings erst für die Zeit nach 2020. Auf der anderen Seite wird in Deutschland schrittweise das Pensionsantrittsalter von 65 auf 67 Jahre zwischen 2012 und 2029 erhöht.

Die EU kann sich vorstellen, das gesetzliche Pensionsantrittsalter bis 2060 um bis zu sieben Jahre zu erhöhen. Dies würde theoretisch in den meisten Staaten einen Pensionsbeginn erst mit 72 Jahren ermöglichen. Tatsächlich kommt nach den vorliegenden Plänen der EU-Länder nur Italien an dieses Alter heran. Die Italiener beabsichtigen nach den jüngsten Daten der EU-Kommission eine Anhebung auf über 70 Jahre für die - nicht genau definierte - Zeit nach 2020.

Bei den Frauen gibt es bisher bereits in zehn EU-Staaten ein Pensionsantrittsalter von 65 Jahren und damit keinen Unterschied zu den Männern. In neun weiteren EU-Ländern beträgt es noch 60 Jahre. Nur in zwei Ländern liegt es unter 60 Jahren - in Rumänien mit 58 Jahren und acht Monaten sowie in der Slowakei, wo der Pensionsantritt für Frauen gestaffelt bereits ab 57,5 Jahren möglich ist.

Pensionen als Sparfaktor

Maßnahmen im Pensionssystem sind derzeit einer der Knackpunkte bei den Sparpakets-Verhandlungen in Österreich. Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl hatte zuletzt eine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters gefordert - auf 67 Jahre bis 2022 und auf 69 Jahre bis 2032. Das Pensionsalter von Frauen und Männern sollte zudem rascher angeglichen werden, meinte Leitl. Außerdem sollten die Österreicher - mit entsprechenden Pensionszuschlägen - bis zum Alter von 75 Jahren arbeiten können.

In Österreich gilt derzeit ein Antrittsalter von 65 Jahren für Männer und 60 Jahren für Frauen. Allerdings gibt es für die Frauen ebenfalls schrittweise eine Anhebung - 2033 sollen sie wie die Männer 65 Jahre als Antrittsalter haben. An eine darüber hinausgehende Erhöhung des Pensionsantrittsalters denken Österreichs Politiker - zumindest vorläufig - nicht. Ob es bei weitere Änderungen im Rahmen der Frühpensionsmöglichkeiten bei der sogenannten Korridorpension - derzeit ab 62 Jahren möglich - geben wird, ist teil der laufenden Sparpaket-Verhandlungen. Zuletzt war von einem Anstieg der Korridor-Frühpension auf 63 Jahren die Rede.


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