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Zuletzt aktualisiert: 07.09.2011 um 21:01 UhrKommentare

Spindelegger in Rom: Auszeit beim Papst

Bei der Audienz spricht der Papst den ÖVP-Chef auf Konflikt in Österreichs katholischer Kirche an.

Privataudienz beim Papst

Foto © APAPrivataudienz beim Papst

Als Michael Spindelegger eine halbe Stunde vor Beginn der Generalaudienz den Innenhof des Vatikans betritt, parkt das leere Papamobil gerade ein. Der päpstliche Chauffeur erzählt mit leuchtenden Augen, dass er diesen Sommer in Salzburg verbracht hat. Etwas später erklärt der Chef der Schweizer Garde voller Stolz, dass er demnächst mit seiner Truppe nach Wien kommt. Einer der Regisseure der Audienz entpuppt sich als Niederösterreicher.

Spindelegger, Chef der arg gebeutelten ÖVP, hatte am Mittwoch in Rom fast ein Heimspiel, die äußerst herzliche Aufnahme in den vatikanischen Gemächern ist ein willkommener Kontrast zur Situation zu Hause. Bei der großen Audienz auf dem mit Zehntausenden Pilgern gefüllten Petersplatz sitzen Spindelegger und seine Frau Margit in der ersten Reihe.

Als Benedikt XVI. auf den Platz einfährt, erschallen Benedetto-Rufe. Wegen der sengenden Hitze trägt er seinen breitkrempigen Sonnenhut, den Saturno. 14 Leibwächter schirmen ihn ab. Er wirkt gebrechlich, umso fester dann seine Stimme, als er in seiner Ansprache auf göttlichen Beistand gegen "irdische Bedränger" eingeht.

Der ÖVP-Chef ist der Einzige, dem dann noch das Privileg einer privaten Audienz zuteilwird. In den 15 Minuten kommt Österreichs Engagement im Kampf gegen die Verfolgung von Christen und anderen Gläubigen zur Sprache. Auf Wiens Initiative muss die EU künftig einmal jährlich einen Bericht zur Religionsfreiheit vorlegen. Spindelegger geht auf die christlichen Wurzeln der Volkspartei ein, etwa im Kontext der Familienpolitik. Von sich aus spricht der Papst die angespannte Lage der katholischen Kirche in Österreich an. "Der Heilige Vater war erstaunlich gut informiert", so Spindelegger, ohne Details zu lüften. Bei der Begrüßung von Spindeleggers Frau fragte Benedikt XVI., ob er denn auch die beiden Söhne zu sehen bekommt. "Nein, die sind leider in der Schule."

Wechsel in Wiener ÖVP

Zur Innenpolitik äußert sich der ÖVP-Chef nur informell, eine gewisse Ratlosigkeit ist aber spürbar. So habe er die Finanzen seiner Partei prüfen lassen, auf zweifelhafte Geldflüsse sei man nicht gestoßen. Indirekt bestätigt Spindelegger einen Bericht der Kleinen Zeitung, wonach in der Wiener ÖVP, die zur Mikro-Partei geschrumpft ist, ein Umbau bevorstehe und Parteichefin Marek abgelöst werde. Nach dem Aus von Wolfgang Schüssel wird ein Wiener Mandat im Nationalrat frei.

MICHAEL JUNGWIRTH/ROM

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