Der Attaché ist nicht passé
Österreich leistet sich 180 Attachés in aller Welt - zusätzlich zu den 730 Diplomaten. Militärs sind dabei einsame Spitze/Attachés nur selten als Reisemarschall für Minister aktiv.

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Das Klischee, dass Diplomaten in herrschaftlichen Häusern residieren, sich in Luxuslimousinen herumchauffieren lassen, von einem Champagnerempfang zum nächsten eilen und dann und wann einen Bericht über die Lage im jeweiligen Land versenden, ist von Klimaschutzminister Nikolaus Berlakovich um eine neue Facette erweitert worden: Wem es nicht gelingt, einen Jumbo oder einen anderen Riesenvogel zu stoppen, um einem Minister beim Umsteigen am Flughafen die ungehinderte Weiterreise zu ebnen, muss mit der sofortigen Entlassung rechnen. So geschehen dieser Tage am Pariser Flughafen Charles de Gaulle.
Der einmalige Ausraster des Ministers bringt ein Spezifikum der heimischen Diplomatie ans Tageslicht: das Attachéwesen. Die Abgesandten finden zumeist in österreichischen Botschaften Unterschlupf, genießen oft auch Diplomatenstatus, sind aber nicht Außenminister Michael Spindelegger unterstellt, sondern in Spezialmission für einzelne Ministerien unterwegs. 2009 leistete sich die Regierung, so eine interne Auflistung des Außenministeriums, sage und schreibe 180 Fachattachés - zusätzlich zu den 730 Diplomaten, die ohnehin ganz offiziell die Republik in aller Welt vertreten. Sind die Attachés die Überbleibsel einer längst verblichenen Epoche? Oder sind sie vielleicht doch gut investiertes Geld, um Lobbying für Österreichs Interessen zu betreiben?
Einsame Spitzenreiter im Ranking der Attachés sind die Militärs. Laut Verteidigungsministerium sind sogar rund 150 Leute an 19 Standorten im Einsatz. Einige sind in geheimdienstlicher Mission im Ausland unterwegs, darüber schweigt man sich - verständlicherweise - aus. Allein 30 Militärs sind bei der Nato- und der EU-Mission in Brüssel stationiert, auch bei der UNO in New York und in Genf sowie in Washington sind einige akkreditiert. "Wir haben 1200 Soldaten im Ausland im Einsatz, die den Schädel hinhalten. Da brauchen wir ein gut funktioniertes Netzwerk. Die Attachés sind für uns Augen und Ohren, die uns mit wichtigen Informationen, Einschätzungen und fundierter sicherheitspolitischer Expertise versorgen", verteidigt man sich in Wien. Verteidigungsminister Norbert Darabos habe ohnehin eine Neuorganisation des Attachéwesens vorgenommen. Während Prag, Bratislava, Budapest oder Laibach geschlossen wurden, sind neue Büros in Algier, Kairo und Tel Aviv eröffnet worden. Warum dort gerade? Bei der jüngsten Befreiung von österreichischen Sahara-Touristen liefen die geheimdienstlichen Fäden in Algerien zusammen.
An zweiter Stelle liegt das Innenministerium, das ein dichtes Netz an Verbindungsbeamten unterhält, die etwa bei der Gewährung von Visa, bei der Rückführung von Asylwerbern, vor allem aber bei polizeilichen Ermittlungen und Fahndungen in Aktion treten. Am dritten Platz das Unterrichtsministerium, das vor allem in Ost- und Südosteuropa mit Bildungsbeauftragten operiert. Rund 20 Attachés leistet sich das Landwirtschaftsministerium - zumeist in jenen Ländern, die gerade die EU-Präsidentschaft innehaben. Das Gros der Wirtschaftsattachés sitzt in Brüssel und bei der WTO in Genf. Dass ein Attaché in die Wüste geschickt werden soll, weil er als Reisemarschall für den Minister versagt hat, ist eine Österreich-premiere.












