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Zuletzt aktualisiert: 07.10.2010 um 12:13 UhrKommentare

"Ohne Migranten können wir Österreich zusperren"

"Ohne Migration können wir Österreich zusperren", sagt Sozialminister Rudolf Hundstorfer (S). Vor allem im Gesundheitswesen, im Tourismus und im Handwerk sei Österreich auf Migranten angewiesen.

Foto © Reuters

Österreich braucht einen Integrationsstaatssekretär, der im Wirtschafts- bzw. Arbeitsministerium angesiedelt ist und sich um die Belange der Migranten kümmert, fordert der Verein "Wirtschaft für Integration". Am "Gutmenschenplatz", der Gegend rund um Neo-Bobo-Viertel Brunnenmarkt und Yppenplatz in Wien-Ottakring, müsse man die Menschen davon nicht mehr extra überzeugen, ist sich Vereinsobmann Georg Kraft-Kinz am Mittwochabend bei einer Diskussion mit Sozial- und Wirtschaftsminister im "Forum Brunnenpassage" sicher und der Applaus im Publikum gibt ihm Recht. Denn feststehe: "Integration ist kein Problem, sondern eine Chance".

Das sieht auch Sozialminister Rudolf Hundstorfer (S) ähnlich: "Ohne Migration können wir Österreich zusperren". Vor allem im Gesundheitswesen, im Tourismus sowie im Handwerk sei Österreich auf Migranten angewiesen. Die Anzahl der Zuwanderer pro Jahr dürfe keinesfalls unter 20.000 fallen, denn sonst wäre "vieles nicht durchführbar und würde nicht funktionieren". Das Land suche derzeit etwa händeringend - sogar europaweit - nach OP-Schwestern.

"Positiv gelebte Integration"

Nur ins Land holen reicht dabei nicht, erster Schritt müsse eine "positiv gelebte Integration" sein, dann erst könne Migration funktionieren, schränkt Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (V) ein. Dennoch braucht es seiner Ansicht nach "mehr als so einen Verein". Was Kraft-Kinz, stellvertretender Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, nicht auf sich sitzen lässt: Er ist überzeugt davon, dass sein Verein "wirklich notwendig ist" und auch mehr verändern könne "als so mancher Politiker".

Während die Politik noch über Stand und Aufgaben der Migration streitet, ist der Umgang mit Menschen mit Migrationshintergrund für Wirtschaftstreibende oft schon Alltag. Für Hans Staud, Hersteller von Konfitüren und Gemüsedelikatessen mit Geschäftssitz am Yppenplatz, ist die Durchmischung mit Menschen anderer Herkunft "normal". Er sei mit all den benachbarten ausländischen Marktbetreibern befreundet. Selbst beschäftigt Staud acht Nationalitäten, wie er stolz erwähnt. Mit einigen kann er sich sogar auf Serbokroatisch unterhalten, das er extra gelernt hat: "Ohne Gastarbeiter wären wir gar nicht existent", bilanziert er. "Schon 1971, als die Produktion der Firma begann, haben uns die ersten Gastarbeiterströme aus Jugoslawien oder der Türkei geholfen."

"Woher jemand kommt, ist völlig unwichtig, wichtig ist die Qualifikation" sieht die DiTech-Gründerin Aleksandra Izdebska einen Schwerpunkt für die künftige Zuwanderung. Sie wünscht sich vor allem IT-Kräfte. Die Computerbranche setze auf Ideen von neuen, vielseitigen und gut ausgebildeten Arbeitskräften. Österreich brauche aber nicht nur Spitzenkräfte, sondern auch Facharbeiter, so die Unternehmerin, die selbst polnische Wurzeln hat. Jedenfalls sollte Österreich als Zuwanderungsland "Nutzen daraus ziehen", als Wirtschaftsstandort den Zuwanderern aber auch genügend Anreize bieten.

Unterstützung erhielt Izdebska einstimmig aus dem Publikum, das sich großteils aus Unternehmern, sehr häufig mit Migrationshintergrund, zusammengesetzt hat. Österreich brauche definitiv mehr Angebot, paradox sei nur, dass es "Integration braucht, aber nicht will". Und eine weitere kritische Stimme verglich das Land sogar mit einem Vier-Sterne-Restaurant: "Von außen schaut alles super aus, aber wenn die Bedienung nicht passt, gehen wir trotzdem nicht hin."


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