Rektorenchef: Brauchen solide, nachhaltige Finanzierung
Wissenschaftsministerin Karl habe, so der Präsident der Universitätenkonferenz Hans Sünkel, die "Dramatik der Uni" erkannt. Er pocht auf ein nachhaltiges Finanzierungsmodell.

Foto © APA
Die Universitäten bräuchten "dringend eine solide und nachhaltige Finanzierung auf deutlich höherem Niveau als derzeit, wir sind schlicht und ergreifend weit unterfinanziert", erklärte der Präsident der Universitätenkonferenz (uniko), Hans Sünkel, am Mittwoch zur Drohung von Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (V), Unis zu schließen oder Professoren zu kündigen, sollten nicht ab 2013 mehr Mittel für die Unis zur Verfügung stehen. Sünkel bezifferte im Gespräch mit der APA den Finanzbedarf der Unis ab 2013 mit "zumindest 300 Mio. Euro pro Jahr, exklusive der für Bauten notwendigen Mittel", Studiengebühren hielte er für "ein nettes Add on".
Karl hat Dramatik erkannt
Dass Karl die Dramatik, vor der die Unis derzeit stünden und die sich in Zukunft noch weiter verstärken werde, "offensichtlich im vollen Umfang erkannt hat" und diese Dramatik auch medial transportiere, sieht Sünkel positiv. Über "Art und Inhalt des Transports" könne man aber geteilter Meinung sein.
Der Rektorenchef geht davon aus, dass die von Karl angedrohte Kündigung von 70 Prozent im Professorenbereich "wirklich nur symbolisch gemeint ist. Kein Mensch würde daran denken, das tatsächlich umzusetzen". Auch Uni-Schließungen will Sünkel "nicht einmal andenken, das sollte man nicht einmal im entferntesten in den Kopf bekommen". Es gebe im Uni-Bereich sicher "da und dort Effizienzsteigerungsmöglichkeiten", diese seien aber im gesamten öffentlichen Bereich möglich, und zwar in wesentlich größerem Umfang.
Das Finanzierungsproblem wird laut Sünkel nicht erst 2013 akut, sondern wesentlich früher. Es gebe zwar mit den derzeit laufenden Leistungsvereinbarungen zwischen Bund und Unis ein für 2010 bis 2013 fixiertes Budget. Sollte es ab 2013 aber tatsächlich nicht mehr Geld geben, müsste man jetzt schon dringend Einsparungen tätigen, um dann die erforderlichen Mittel zu haben, "es sei denn, der Finanzminister greift in die Schatulle und gibt noch zusätzliche Mittel her". Dass Karl dem Koalitionspartner und der gesamten Bundesregierung die Dramatik der Situation nun vor Augen halte, sei gut und notwendig. "Die Ministerin wäre aber auch gut beraten, mit Vizekanzler und Finanzminister Josef Pröll (V) ernsthaft ins Gespräch zu treten, um finanziell Zusätzliches zu erreichen", sagte der Rektorenchef.
Die am Dienstag veröffentlichte OECD-Studie "Bildung auf einen Blick" sei "geradezu eine Aufforderung an die Bundesregierung, zusätzliche Möglichkeiten finanzieller Art zu bieten", meinte Sünkel. Die Bundesregierung könnte sich "zum europäischen Musterschüler machen, wenn sie auch nur in Teilen die Empfehlungen der OECD umsetzen würde".
Karls Aussagen über drohende Budgetlücken, mögliche Schließungen und Kündigungen bestätigen für den Rektor der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien, Martin Gerzabek, die Befürchtungen der Leitungsgremien der Boku. Bereits im Juli habe man "auf die unüberbrückbare Schere zwischen einem nominell fortgeschriebenem Budget und steigenden Studierendenzahlen hingewiesen". Die Boku unterstütze daher das Anliegen der Wissenschaftsministerin, "frisches Geld" für die Universitäten bereitzustellen, betonte Gerzabek in einer Aussendung. Der Ball liege aber bei der Bundesregierung, welche die dramatische Lage an den einzelnen Universitäten zur Kenntnis nehmen müsse, um den tertiären Bildungssektor in Österreich nicht auszuhungern.












