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Zuletzt aktualisiert: 08.06.2010 um 21:31 UhrKommentare

Aufstand der Steirer gegen Radikalkur

Wiener Vorstoß zur Schließung kleiner Spitäler empört die Steirer. Landeshauptmann Voves hadert wieder mit Bundespartei. Aber Zahlen der Spitalsökonomen sprechen für sich.

Foto © APA / Thaut Imagesi

Die Versöhnung zwischen Werner Faymann und Franz Voves nach der Irritation um den Koralmtunnel währte nur vier Tage. Gestern hat sich die Bundes-SPÖ den Steirern erneut als Buhmann präsentiert. Staatssekretär Andreas Schieder plädierte offen dafür, "dass man kleinere Spitäler schließen muss", wenn es angesichts diverser Sparzwänge um die Schaffung sinnvoller Strukturen im Gesundheitswesen geht. Bundeskanzler und SPÖ-Chef Werner Faymann zeigte sich zwar über den Vorstoß nicht entzückt, sagte aber: "Tabu ist das keines."

Von Wien im Stich gelassen

Landeshauptmann Voves rückte umgehend aus. Der Staatssekretär soll sich "über ein faires Steuersystem Gedanken machen", wetterte er in Richtung Wien. Ausnahmsweise marschieren SPÖ und ÖVP in der Sache aber Schulter an Schulter. Angesichts der nahenden Landtagswahl gaben sowohl Voves als auch ÖVP-Gesundheitssprecher Johann Bacher sogenannte Standortgarantien ab. Bacher konnte es sich aber naturgemäß nicht verkneifen, Voves als einen Landeshauptmann hinzustellen, der von der eigenen Bundespartei im Stich gelassen wird.

Gesundheitslandesrätin Bettina Vollath (SPÖ) wandte dagegen ein, bei so sensiblen Einrichtungen wie Spitälern mit Einzeldaten zu argumentieren: "Größe hat nichts mit Versorgungsqualität zu tun", sagte Vollath, die erst seit wenigen Monaten die Verantwortung für den großen Spitalsbereich innehat. Sie erinnerte den Bund daran, seine nationale Planungskompetenz wahrzunehmen und den Ländern Rahmenbedingungen zu verschaffen, damit diese sinnvoll und effizient arbeiten können.

Die Erregung ist in der Steiermark deshalb groß, weil hier die relativ meisten Krankenhäuser stehen, die nach den Normen der Gesundheitsökonomen als zu klein und zu wenig effizient gelten. Staatssekretär Schieder hatte sich bei seiner Äußerung, die so viel Staub aufwirbelte, auf ein Papier bezogen, das im Zuge der Verwaltungsreform die Gesundheitsstrukturen unter die Lupe nahm. Demnach gelten Spitäler mit weniger als 300 Betten nicht als optimal, weil es zu wenig Krankheitsfälle gibt, was in der Betreuung Qualitätsprobleme wahrscheinlicher macht. Von den 130 Spitälern der öffentlichen Hand haben 81 weniger als 300 Betten. Die Steiermark ist bei den Kleinstspitälern Spitzenreiter (siehe Grafik): Von 26 Krankenhäusern fallen nicht weniger als 23 in diese Kategorie.

Teurer als in Oberösterreich

Der Gesundheitsökonom Christian Bauer hat errechnet, dass die Kosten je Patient in den steirischen Spitälern mit 4427 Euro die zweithöchsten aller Bundesländer sind. Oberösterreich wendet pro Patient fast tausend Euro weniger auf. Die überdurchschnittlich hohen Personalkosten in den steirischen Häusern sind für Bauer der Beleg für auffallende Organisationsmängel.

Laut Karlheinz Tscheliessnigg, Chef der Allgemeinchirurgie, hinkt Österreich in Sachen Gesundheitsreform generell "unglaublich" nach. Doch er ist auch um eine Versachlichung der Diskussion bemüht. Es gehe nicht darum, Regionalspitäler einfach ersatzlos zuzusperren. Vielmehr können und müssten diese wertvollen Strukturen sinnvoller eingesetzt werden. In allen Regionen würden etwa zeitgemäße Einrichtungen für die Intensivbetreuung von Pflegebedürftigen dringend benötigt, die Kleinspitäler und ihr Personal könnten ihre Kompetenz hier wirkungsvoll einbringen. Leitartikel Seite 8

JOHANNES KÜBECK, DIDI HUBMANN

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