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    Zuletzt aktualisiert: 07.05.2010 um 20:33 UhrKommentare

    Wettlauf der Alliierten um die Steiermark

    In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 wurde die Stadt Graz zum russischen Besatzungsgebiet. Für die Steiermark war das Kapitel des Krieges geschlossen; jenes der zehn Jahre währenden Besatzungszeit wurde aufgeschlagen.

    Das durch Bomben zerstörte Bahnhofsviertel

    Foto © Steiermärkisches LandesarchivDas durch Bomben zerstörte Bahnhofsviertel

    Die Nacht veränderte alles. Als sich die Grazer am Abend des 8. Mai 1945 in ihre Betten legten, schliefen sie in der Annahme ein, dass in Kürze die Briten in die von Bomben zerklüftete Stadt einrücken würden. Wenige Stunden zuvor hatten sie im Radio die schnarrende Stimme von Gauhauptmann Armin Dadieu das Ende der NS-Herrschaft über Graz verkünden hören. Das Deutsche Reich hatte kapituliert, der Krieg war vorbei.

    Russisches Besatzungsgebiet

    Als die Grazer am nächsten Morgen erwachten, war ihre Stadt russisches Besatzungsgebiet. Mit erheblichem Vorsprung vor den Briten hatte die Rote Armee an diesem Mittwoch die Landeshauptstadt erreicht. Von der Ries aus zogen seit den Nachtstunden lange Wagenkolonnen in Richtung Innenstadt. Um 2 Uhr früh rollten die ersten sowjetischen Panzer über den Hauptplatz. Eine eilig zusammengestellte Delegation übergab den Russen offiziell die Stadt. Für die Steiermark war das Kapitel des Krieges geschlossen; jenes der zehn Jahre währenden Besatzungszeit wurde aufgeschlagen.

    Der russische Vormarsch

    In diesen Tagen war es sechs Wochen her, dass der Krieg, den das Nazi-Reich einst in die Welt hinausgetragen hatte, in seiner ganzen Unerbittlichkeit über die "Ostmark" hereingebrochen war. Am 29. März, dem Gründonnerstag des Jahres 1945, war das eingetreten, wovor sich die Menschen seit Monaten gefürchtet hatten. Die Truppen der 3. Ukrainischen Front brachen bei Klostermarienburg in österreichisches Gebiet ein und nahmen die Oststeiermark in die Zange. Über das Raabtal gelangte die Rote Armee binnen drei Tagen bis nach Kirchberg und stand damit 30 Kilometer vor Graz. Mühsamer war das Vorankommen durch das obere Lafnitztal bis in die Fischbacher Alpen. Wochenlang wogte die Front in den oststeirischen Orten hin und her. Die Nazis leisteten erbitterten Widerstand. Orte wie Vorau oder Wenigzell wechselten mehrfach ihre Besatzer - wurden einmal von den Russen, dann wieder von deutschen Truppen beschossen.

    Während Gauleiter Sigfried Uiberreither in der Landeshauptstadt noch Durchhalteparolen plakatieren ließ, war der Wettlauf zwischen Russen und Westalliierten nach Graz in vollem Gange. Zehntausende Steirer flohen vor der russischen Frontlinie in Richtung Westen, wo sie hofften, auf Briten oder Amerikaner zu stoßen. Unter sie mischten sich Soldaten auf dem Rückzug und Angehörige der jüdischen Todesmärsche, die seit Wochen qualvoll durch die Steiermark getrieben wurden. Jenen, die zurückblieben, fiel es schwer, die Russen als Befreier zu sehen. Übergriffe waren an der Tagesordnung. Frauen verkleideten sich als alte Großmütter, andere versteckten sich. Der Pfarrer von Anger versorgte 14 Frauen mit Essen, die auf dem Kirchturm und unter dem Sakristeiboden Unterschlupf fanden.

    Gleich fünf Besatzungsmächte

    Als die Russen kampflos in Graz einrückten, hatten die US-Truppen das Ennstal erreicht. Die Briten rückten aus Kärnten über den Neumarkter Sattel ins Murtal und in die Weststeiermark vor, im Süden des Landes stießen Partisanen und bulgarische Verbände nach. Die Steiermark hatte damit nicht eine, sondern fünf Besatzungsmächte. Leibnitz erlebte innerhalb weniger Tage mit Russen, Partisanen und Bulgaren drei Einmärsche.

    Aus Angst vor den Sowjets versuchten Flüchtende, zur Liezener Ennsbrücke zu gelangen. Auf der verstopften Straße durch das Palten-Liesingtal und anderen Routen machten sich Chaos und Panik breit. Bis zum Abend des 9. Mai hielten die Amerikaner den Übergang offen, dann sperrten sie die Brücke. Verzweifelt sprangen zu spät Gekommene in den hochwasserführenden Fluss; wenige erreichten das andere Ufer.

    Die Rote Armee füllte indes die steirischen Gebiete auf. Am Abend des 9. Mai rollte der erste russische Jeep durch Frohnleiten, tags darauf trafen die sowjetischen Panzerspitzen in Judenburg auf die Briten. Einen weiteren Tag später hatten sie das amerikanische Liezen erreicht.

    Dunkles Kapitel

    Das zweigeteilte Judenburg wurde Wochen darauf Schauplatz eines dunklen Kapitels der unmittelbaren Nachkriegszeit. Anfang Juni lieferten die Briten 50.000 Kosaken an die Rote Armee aus. Sie hatten auf deutscher Seite gekämpft und wurden nun in den sicheren Tod geschickt.

    Für die Steirer sollte es noch mehr als zwei Monate dauern, bis das Land offiziell zur britischen Zone wurde. Groß war der Jubel, als am 24. Juli die letzten Sowjets abzogen. Dabei hatte die entbehrungsvolle Zeit der Besatzung gerade erst begonnen.

    GÜNTER PILCH

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