Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
  • Zur Kärnten-Ausgabe
  • 01. Oktober 2014 10:20 Uhr | Als Startseite
    Neu registrieren
    80 Prozent der Palästinenser für Raketenangriffe Abbas droht Hamas mit Ende der Einheitsregierung Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Nahost Nächster Artikel 80 Prozent der Palästinenser für Raketenangriffe Abbas droht Hamas mit Ende der Einheitsregierung
    Zuletzt aktualisiert: 23.12.2012 um 22:18 UhrKommentare

    "Wir feiern zwei Geburten"

    Das offizielle Palästina nennt Weihnachten 2012 angesichts jüngster politischer Erfolge ein besonders schönes Fest. Doch nicht allen ist zum Feiern. Eine Reportage von Gil Yaron.

    Weihnachtsbaum in Betlehem

    Foto © APWeihnachtsbaum in Betlehem

    Diesen Dezember feiern wir in Palästina gleich zwei Geburten", sagt Vera Ghattas Baboun, frisch gewählte Bürgermeisterin Bethlehems: "Die Geburt unseres Heilands Jesus und die unseres palästinensischen Staates, dem in den Vereinten Nationen Beobachterstatus gewährt wurde." Ihr Büro in der ersten Etage des kleinen Rathauses ist festlich geschmückt.

    Im Vorzimmer steht ein glitzernder Christbaum, an den Türpfosten hängen funkelnde Weihnachtsgrüße in verschiedenen Sprachen. An den Straßenlaternen auf dem Weg zum Manger-Platz, an dem die 1600 Jahre alte Geburtskirche steht, hängen leuchtende Weihnachtssterne. Die 49 Jahre alte Professorin für englische Literatur kennt sich mit Texten gut aus und wiederholt offizielle Verlautbarungen wortgetreu: "Ich hoffe, dass wir diesen positiven Trend auch im kommenden Jahr feiern können. Einzig die israelischen Siedlungen betrüben das Fest. Sie gefährden die Zukunft unseres Staates und damit den Frieden", sagt die Bürgermeisterin.

    Doch Nabil Jiacaman, Eigentümer des Souvenirladens direkt nebenan, kann mit Ghattas Frohsinn und Schuldzuweisungen nichts anfangen: "Das wird ein schlechtes Weihnachten", sagt er und sucht Platz zwischen den geschnitzten Krippen und Kreuzen auf seiner Ladentheke, um sich abzustützen. "Seit dem Krieg in Gaza im November kommen keine Touristen mehr." Jiacaman, dritte Generation im Familienbetrieb, beschäftigt 15 Angestellte und zahlt laut eigenen Angaben rund 10.000 Euro Jahresmiete für das Geschäft auf dem Manger-Platz direkt neben der Geburtskirche. Aber jetzt macht er nur knapp sechs Euro Umsatz am Tag. Nicht nur der Krieg sei daran schuld: "Man kann nicht Israel für alles verantwortlich machen", sagt der 27 Jahre alte Geschäftsmann. "Auch die Bewohner von Bethlehem tragen Verantwortung. Wir haben Touristen nichts zu bieten. Warum sollten sie hier länger als ein paar Stunden bleiben? Wie lang kann man schon in der Geburtskirche beten?"

    Die Schuld trage vor allem die Stadtverwaltung und die palästinensische Autonomiebehörde, die sich jetzt als Staat bezeichnet: "Schau den Manger-Platz an. Ja, da steht ein 15 Meter hoher Plastikbaum, aber sonst ist er ein Parkplatz! Ich bin vor Kurzem aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zurückgekommen. Das ist zwar ein islamisches Land, aber die Einkaufszentren sind so festlich für Weihnachten geschmückt, dass man denken könnte, Jesus sei dort geboren."

    GIL YARON, BETHLEHEM

    Grafik

    Grafik vergrößernDas Ringen um den palästinensischen Staat

    Mehr Nahost

    Mehr aus dem Web

      Akteure im Nahost-Konflikt





      Seitenübersicht

      Zum Seitenanfang
      Bitte Javascript aktivieren!