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Zuletzt aktualisiert: 04.07.2012 um 19:48 UhrKommentare

Exhumierung Arafats soll Todesursache klären

Der Leichnam von Yasser Arafat soll exhumiert werden. Forscher hatten Rückstände von Polonium-210 an der Kleidung des Palästinenser-Führers gefunden. Nun soll untersucht werden, ob Arafat vergiftet wurde.

Foto © Reuters

Nach neu aufgetauchten Mordvorwürfen soll der Leichnam des 2004 gestorbenen palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat auf die Todesursache untersucht werden. Die palästinensische Regierung unter Führung seines Nachfolger Mahmoud Abbas stimmte am Mittwoch der Exhumierung zu. Zuvor waren neue Anschuldigungen laut geworden, der langjährige Chef der Palästinensischen Befreiungs-Organisation (PLO) sei vergiftet worden - möglicherweise mit der radioaktiven Substanz Polonium-210. Israel bestritt jegliche Verwicklung in den Tod seines Gegners und Vertragspartners.

Einem Schweizer Institut für Strahlenphysik zufolge wiesen seine Kleidungsstücke überraschend hohe Mengen des radioaktiven Stoffes auf. Allerdings erklärte das Institut, die in Arafats Krankenakte festgehaltenen Symptome stimmten nicht mit denen von Polonium-210 überein. Abbas-Berater Saeb Erekat sagte, die Leiche Arafats könne nach Klärung familiärer und religiöser Fragen exhumiert werden: "Das ist eine Sache von wenigen Tagen." Danach werde man sich mit dem schweizerischen oder einem anderen Institut in Verbindung setzen und den Leichnam exhumieren.

Nach langer Krankheit war Arafat in ein französisches Militärkrankenhaus geflogen worden und dort im November 2004 im Alter von 75 Jahren gestorben. Die behandelnden französischen Ärzte hatten angegeben, sie hätten die Todesursache nicht feststellen können. Arafat liegt in Ramallah im Westjordanland begraben.

Witwe brachte Fall ins Rollen

Arafats Witwe Suha hatte die Gegenstände den Schweizer Wissenschaftlern zur Verfügung gestellt und erklärt, die Welt müsse die "Wahrheit über die Ermordung" ihres Mannes erfahren. Im Gespräch mit dem TV-Sender Al-Jazeera erhob die 48-Jährige keine direkten Anschuldigungen, deutete aber an, dass Israel und die USA ihren Mann als Hindernis für einen Frieden im Nahen Osten betrachtet hätten.

Der frühere Chef des israelischen Inlands-Geheimdienstes, Avi Dichter, sprach von einem innerpalästinensischen Vorgang. Vom Armee-Rundfunk auf mögliche Erkenntnisse angesprochen, ob Arafats Speisen mit Polonium-210 vergiftet worden seien, antwortete Dichter ironisch: "Fragen Sie mich als sein Koch?" Sein Nachrichtendienst Shin Bet habe sich bei der Beobachtung der Palästinenser nicht für Arafats Nahrungsmittel interessiert.

Mit Polonium-210, offenbar ins Essen verabreicht, wurde der russische Regierungskritiker und Ex-Spion Alexander Litwinenko vergiftet. Er starb 2006 in London.

Der Atomphysiker Paddy Regan von der Universität im britischen Surrey sagte, die Polonium-210-Werte könnten auch auf eine erhöhte natürliche radioaktive Strahlung zurückzuführen sein. Solche Faktoren müssten zunächst ausgeschlossen werden, bevor der Stoff als "Mordwaffe" eindeutig nachgewiesen werden könne.


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