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    Zuletzt aktualisiert: 21.02.2012 um 13:33 UhrKommentare

    Verzweiflung in Homs: "Die Welt hat uns aufgegeben"

    Die Menschen in der syrischen Rebellenhochburg Homs fühlen sich von allen im Stich gelassen: von der Regierung und von der Opposition. Sie kämpfen um das nackte Überleben.

    Die Menschen fliehen vor den Angriffen

    Foto © APDie Menschen fliehen vor den Angriffen

    Es gibt kein Entrinnen. Zusammengepfercht hausen die Menschen in der syrischen Oppositionshochburg Homs - vier oder fünf Familien in einem kleinen Haus. Wer den zwei Wochen langen Dauerbeschuss durch die syrische Armee am Stadtrand überlebt hat, ist ins Zentrum geflohen.

    Fakten

    Seit Anfang Februar steht Homs unter Beschuss. In Homs leben etwa eine Million Menschen, an die sechzig Prozent der Einwohner sollen geflohen sein.

    "Wir haben schon so viele Verwandte und Freunde verloren", klagt ein Mann im Stadtteil Baba Amro. "Jeden Tag müssen wir mit ansehen, wie sie sterben." Ein anderer seufzt: "Wir können nur Stofffetzen nehmen, um notdürftig ihre Wunden zu verbinden. Wir sehen die Menschen sterben. Wir können nichts tun." Einige Häuser dienen als provisorische Hospitäler. Doch Medikamente, Verbandsmaterial - all das gebe es kaum noch. Zwei oder drei Ärzte seien noch in Baba Amro - für 80.000 Menschen. Die Telefonleitungen sind gekappt, es gibt keinen Zugang zum Internet. Homs ist abgeriegelt.

    Die Versorgung wird immer schwieriger. Die Märkte sind geschlossen, die Händler haben keine Lebensmittel mehr zu verkaufen. Die Menschen ernähren sich von eingelegten Auberginen, Oliven und trockenem Brot. Gemüse oder gar Fleisch sind der wahre Luxus. Die Bauern können nicht auf ihre Felder und die Ernte einbringen, weil am Stadtrand Truppen stehen. "Wenn die Menschen nicht erschossen werden, dann werden sie bald verhungern", sagt ein Einwohner.

    Selbst das Trinkwasser ist knapp. Soldaten hätten mutwillig Löcher in die Wassertanks geschossen, empören sich Augenzeugen. "Jetzt sammeln wir Regenwasser in Töpfen und Krügen", berichtet Abu Bakr, der mit 25 Menschen in einer Zwei-Zimmer-Wohnung lebt. "Wir schlafen in Schichten - die einen tagsüber, die anderen nachts." Es gebe Frauen, die gerade entbunden hätten, aber wegen des Schocks keine Muttermilch für ihre Kinder hätten, sagt Abu Bakr. "Jetzt stillen andere Frauen diese Säuglinge. Aber für wie lange? Ihr Leben ist in Gefahr."

    Oppositionelle haben Hunderte Videos ins Internet gestellt, um die Kämpfe, die Zerstörung und das Sterben in dem seit elf Monaten dauernden Aufstand zu dokumentieren. Und dennoch glauben sie, dass es nicht genug ist. Das Ausland müsste doch etwas tun, damit das Töten aufhört, sagen Regierungskritiker. Sie müssten doch wenigstens zulassen, dass Frauen, Kinder und Verletzte sicher aus Homs herauskommen.

    In ihrer Verzweiflung hadern die Menschen in Homs auch mit der Opposition. "Die lassen uns hängen. Alle verschaukeln uns. Alle nutzen uns nur aus für ihre eigenen Interessen. Und wir zahlen dafür den Preis." Und ein anderer sagt resigniert: "Wir sind allein. Wir zählen nicht. Niemand kümmert sich darum, was mit uns geschieht. Die Welt hat uns aufgegeben."

    Mariam Karouny/Reuters

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