Jemens Präsident Saleh flieht nach Saudi-Arabien
Laut der BBC wurde der jemenitische Präsident Saleh nach einem Anschlag auf den Präsidentenpalast schwerer verletzt, als zunächst angenommen. Saleh sei durch einen Granatsplitter nahe am Herzen verwundet worden. Laut Al Jazeera befindet sich Saleh auf dem Weg nach Saudi-Arabien.

Foto © APAAli Abdullah Saleh
Der jemenitische Präsident Ali Abdullah Saleh ist nach dem Granatenangriff auf seinen Palast zur medizinischen Behandlung nach Saudi-Arabien gereist. Das saudische Königshaus teilte am Sonntag mit, der Präsident sei gemeinsam mit anderen verwundeten Beamten und Bürgern in der Hauptstadt Riad eingetroffen.
Saleh sei am Samstagabend in Riad gelandet und sofort zur medizinischen Behandlung ins Militärkrankenhaus der Hauptstadt gebracht worden, sagte ein Behördenvertreter in Riad der Nachrichtenagentur AFP. Der jemenitische Präsident wolle nach der Behandlung in sein Land zurückkehren und an der Macht bleiben, betonte der Behördenvertreter, der anonym bleiben wollte. Saleh sei mit einem saudi-arabischen Sanitätsflugzeug nach Riad gebracht worden, in einer weiteren Maschine seien Familienmitglieder des Präsidenten gereist.
Mehrere arabische Fernsehsender hatten zuvor berichtet, Saleh sei zur medizinischen Behandlung nach Saudi-Arabien aufgebrochen. Dies war aber von Vertrauten des Präsidenten dementiert worden: Saleh halte sich nach wie vor in der Hauptstadt Sanaa auf, sagte beispielsweise der stellvertretende Generalsekretär von Salehs Partei GPC, Sultan al-Barakani. Die Verletzungen des Präsidenten müssten nicht im Ausland behandelt werden.
Keine genauen Angaben
Über den Gesundheitszustand Salehs wird seit dem Angriff am Freitag spekuliert. Nach Angaben eines Vertrauten, der den Präsidenten im Krankenhaus besuchte, erlitt Saleh im Gesicht und an der Brust Verbrennungen sowie Kratzwunden durch herumfliegende Holzsplitter. Sein Zustand gebe aber keinen Anlass zur Sorge. Der britische Sender BBC berichtete hingegen am Samstagabend unter Berufung auf Regierungskreise, nach der Explosion einer Granate stecke in der Herzgegend des 69-Jährigen ein 7,6 Zentimeter langes Schrapnell.
Wie die Nachrichtenagentur Reuters erfuhr, verließ Saleh das Flugzeug in Riad gehend, hatte jedoch deutlich sichtbare Wunden an Hals, Kopf und Gesicht. Bei dem Angriff auf den Palast wurden sieben Menschen getötet.
Der US-Sender CNN meldete unterdessen unter Berufung auf den jemenitischen Regierungssprecher Abdu Ganadi, dass Salehs Stellvertreter Abd-Rabbu Mansour Hadi die Amtsgeschäfte des Präsidenten übernommen habe. Im arabischen Nachrichtensender Al-Jazeera hieß es überdies, dieser habe auch die Funktionen des Oberkommandierenden der Streitkräfte übernommen.
Gegen Saleh, der seit mehr als 30 Jahren an der Macht ist, gibt es im Jemen seit vier Monaten anhaltende Proteste. Die Demonstranten fordern den Rücktritt des Staatschefs. Zudem liefern sich Regierungstruppen in Sanaa seit Tagen heftige Kämpfe mit Stammesmilizen. Das Land droht nach Monaten überwiegend friedlicher Proteste in einen Bürgerkrieg abzurutschen.
Wie Reuters in Riad erfuhr, hat Saudi-Arabien einen Waffenstillstand zwischen rivalisierenden Stämmen und der jemenitischen Regierung vermittelt. Offenbar haben sich die Konfliktparteien zunächst daran gehalten: In den Straßen der jemenitischen Hauptstadt Sanaa herrschte bei Einbruch der Nacht Ruhe, während in den vergangenen Tagen ständig Feuergefechte zu hören gewesen waren.









