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Zuletzt aktualisiert: 01.05.2011 um 22:50 UhrKommentare

Nato bestreitet Angriff auf Gaddafi

Bei einem Angriff auf ein Haus in Tripolis sollen ein Gaddafi-Sohn und dessen drei Kinder getötet worden sein. Der Diktator überlebte. Die Frage: Ist der Sohn ein Opfer der Nato oder ein Propagandaopfer des eigenen Vaters?

Das zerstörte Gebäude des Gaddafi-Sohns

Foto © APADas zerstörte Gebäude des Gaddafi-Sohns

Verwirrspiel in Tripolis. Ein gähnendes Loch in der Decke, verbogene Stahlträger ragen in den Raum, an denen noch Betontrümmer hängen. Auf dem Boden verstreut liegen Matratzen, an der Wand steht unbeschädigt ein rosa Sofa. Inmitten der Trümmer ist eine Blindgänger-Rakete zu sehen, während sich internationale TV-Crews auf ihrer vom Regime arrangierten Pressetour im schwankenden Schein von Taschenlampen durch den Schutt tasten.

Hier sollen am Samstagabend, so jedenfalls behauptet Regierungssprecher Mussa Ibrahim, Gaddafisohn Saif al-Arab sowie drei Enkelkinder des Diktators "den Märtyrertod" gestorben sein - zerfetzt von einer Nato-Rakete. Muammar Gaddafi selbst und seine Frau Safia Farkash, ebenfalls im Haus, hätten den Angriff unverletzt überlebt, fügte er hinzu und sprach von einem "gezielten Mordversuch". "Was wir hier sehen, ist das Gesetz des Dschungels", erklärte er. Jedem müsse jetzt klar geworden sein, was sich in Libyen abspiele, habe mit dem Schutz von Zivilisten nichts zu tun.

Eine unabhängige Überprüfung der libyschen Darstellung jedoch war bislang nicht möglich, weil sich ausländische Journalisten in Tripolis nicht frei bewegen können und bei ihren arrangierten Touren nur sorgfältig vorbereitete Propaganda-Szenarien vorgeführt bekommen. So blieb unklar, ob es sich bei dem zerstörten Wohnhaus wirklich um jenes von Saif al-Arab handelt.

Auch von Seiten der Nato wurden die Angaben aus Tripolis nicht näher kommentiert. Man habe Kommando- und Kontrollgebäude des Regimes bombardiert, hieß es lediglich.

Als unmittelbare Reaktion auf den Luftschlag wurden gestern in der libyschen Hauptstadt die mittlerweile leer stehenden Botschaften Italiens und Großbritanniens angegriffen und geplündert. Rom verurteilte dies als einen "Akt des Vandalismus", Großbritannien erklärte den libyschen Botschafter in London zur "persona non grata" und wies ihn auf, das Land innerhalb von 24 Stunden zu verlassen.

MARTIN GEHLEN

Akteure im Nahost-Konflikt



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